Weser-Kurier: Zum vertagten Elbe-Urteil schreibt Markus Lorenz:

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Die neuerliche Verzögerung der Elbvertiefung trifft
Hamburg ins Mark. Mehr als ein Jahrzehnt dauert die Hängepartie um
den wichtigen Flussausbau schon, nun verlängert sie sich um weitere
quälende Monate. Das schürt Verunsicherung in der Hafenwirtschaft und
bei Investoren. Die Gefahr wächst, dass wichtige Containerlinien
einen Bogen um Deutschlands größten Seehafen machen. Um so bitterer
für Hamburgs Politiker und die Planungsbeamten im Bund, dass sie sich
einen Teil des Debakels selbst zuschreiben müssen. Von Beginn an
haben sie den Naturschutz bei dem Großprojekt auf die leichte
Schulter genommen und das strenge EU-Umweltrecht fahrlässig
unterschätzt. Nun liegt die Zukunft – manche sagen das Schicksal –
des Hamburger Hafens in den Händen ferner Richter in Luxemburg. Keine
angenehme Vorstellung für das Lager der Befürworter – die freilich
trotz allem weiterhin die besseren Argumente auf ihrer Seite haben.
Denn ein Verbot der Elbvertiefung wäre ein Wachstumsverbot für die
wichtigste Branche der Küstenregion. Zehntausende Jobs in der
Metropolregion gerieten in Gefahr. Auch wenn es altmodisch klingen
mag: Wie seit Jahrhunderten ist dieser Hafen auch im digitalen
Zeitalter ein Motor der regionalen, ja der nationalen Wirtschaft. Wer
als Alternative mal eben eine Arbeitsteilung der norddeutschen und
europäischen Häfen empfiehlt, ist naiv. Nicht Bremen, nicht
Wilhelmshaven, schon gar nicht Rotterdam werden angesichts in der
aktuellen schweren maritimen Krise bereit und in der Lage sein,
Marktanteile abzugeben. Warum also sollte Hamburg dies tun? Gewiss,
langfristig muss die Stadt angesichts ihrer geografischen Lage eine
Zukunft planen, in der sich nicht mehr alles zuerst um Kais und
Schiffe dreht. Kurzfristig aber braucht Hamburg diese letzte
Elbvertiefung, damit es überhaupt die Kraft hat für den vielleicht
tiefsten Strukturwandel seiner Geschichte. Unbestreitbar wird der
dann größte Eingriff in die Landschaft der Unterelbe erhebliche
Umweltschäden mit sich bringen. Die lassen sich nicht komplett
kompensieren, aber doch zu einem großen Teil. Und was dann noch an
Naturopfern bleibt, ist zwar schmerzlich. Doch am Ende einer
schwierigen Abwägung steht die Erkenntnis: Die Elberegion ist nicht
nur Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen – sondern auch für
Millionen Menschen, deren Existenz an der Wirtschaftskraft des
Flusses hängt.

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