Westdeutsche Zeitung: Anschlag auf Touristen trifft die Türkei ins Mark

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Ein Besuch der Blauen Moschee und der Hagia
Sophia gehören fest zum Programm fast jeden Istanbul-Besuchers. Schon
am frühen Vormittag stehen Touristen in langen Schlangen vor den
beiden Sehenswürdigkeiten, die kaum mehr als einen Steinwurf
voneinander entfernt im bei ausländischen Gästen beliebten
Stadtviertel Sultanahmet liegen. Auch wenn es zynisch klingen mag,
muss man wohl von Glück sprechen, dass bei dem Bombenanschlag, der
womöglich nicht zufällig Deutschen galt, nicht noch mehr Menschen ums
Leben gekommen sind. Genau darauf zielte aber die Attacke – dem
Attentäter mit der Körperbombe ging es darum, möglichst viele
Besucher zu töten. Dafür sprechen nicht nur Tatort und -zeitpunkt,
sondern auch die Metallsplitter, die Ermittler zwischen Toten und
Verletzten gefunden haben. Wobei die Bilder von Leichensäcken und
Verletzten letztlich Mittel zum Zweck sind – auch das klingt zynisch.
Das eigentliche Ziel der Terrorattacke ist der türkische Staat, die
Angriffe auf ausländische Gäste treffen ihn an einer seiner
empfindlichsten Stellen, dem Tourismus. Die Hintermänner des
Selbstmordbombers kennen die Mechanismen genau, die eine solche
Wahnsinnstat auslöst. Bereits wenige Stunden nach der Explosion
warnte das Auswärtige Amt deutsche Türkei-Touristen,
Menschenansammlungen auf Plätzen und vor touristischen Attraktionen
zu meiden. Der Plan der Strippenzieher scheint aufzugehen; Angst ist
eine mächtige Waffe. Der mutmaßliche Attentäter soll Mitglied des
Islamischen Staates gewesen sein. Darauf haben sich die türkischen
Offiziellen bemerkenswert schnell festgelegt – trotz einer eiligst
verhängten Nachrichtensperre. Allerdings lässt das brutale Vorgehen
durchaus auf die Urheberschaft der Terrororganisation schließen.
Anlass für eine Attacke haben die Kopf-ab-Dschihadisten aus ihrer
verqueren Sicht genug. Nach langem Zögern beteiligt die Türkei sich
nun auch an der Anti-IS-Koalition. Vom Nato-Stützpunkt im türkischen
Incirlik heben seit Anfang des Jahres deutsche Späh-Tornados in
Richtung Syrien ab. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip
Erdogan wird auf den Anschlag mit massiver militärischer Gewalt
reagieren, so viel dürfte klar sein. Dem Terrorismus hat er einen
gnadenlosen Kampf angesagt. Unklar ist allerdings, wen genau er damit
meint. Anstatt IS-Stellungen zu bombardieren, nahm seine Luftwaffe
zuletzt vor allem die der kurdischen Arbeiterpartei PKK ins Visier
und alle, die als Sympathisanten gelten. Zu befürchten ist auch jetzt
wieder, dass nun die Kurden für den Anschlag von Istanbul bluten
müssen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@wz.de
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