Westdeutsche Zeitung: Die Kosten für Zahnersatz steigen unaufhaltsam – Etwas ist faul am Gesundheitssystem Ein Kommentar von Lothar Leuschen

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Helden sind Mangelware. Das gilt für jeden
Bereich des Lebens. Aber kaum ein notwendiges Übel wird konsequenter
verdrängt als der Besuch des Zahnarztes. Das war schon so, als die
Patienten noch mit Lachgas betäubt wurden, und hat sich bis heute
nicht geändert. Der Anblick der Spritze, das Geräusch des Bohrers,
fremde Finger im Mund – das ist wirklich nicht schön. Doch abgesehen
davon, dass die Angst vieler Menschen der heute hohen Kunst des
Zahnarztes nicht gerecht wird, sind die Folgen allenthalben zu sehen
und zu spüren. Mit der Nachfrage nach Kronen, Brücken, Implantaten
und Prothesen steigt der Preis. Dabei wird die zahntechnische
Leistung häufig längst in Osteuropa und Hongkong erbracht. Dort
verstehen die Leute ihr Handwerk auch, aber die Löhne sind deutlich
niedriger. Dass die Preise für den Kunden in Deutschland dennoch
regelmäßig steigen, ist ein Phänomen. Anscheinend wollen zu viele am
Zahnersatz oder an der Zahnkosmetik mitverdienen.

Irgendetwas ist faul am deutschen Gesundheitswesen, wenn Zahnärzte
keine Kassenzulassung mehr haben wollen, weil Bürokratie und geringe
Kostensätze den Praxisaufwand nicht mehr decken.

Irgendetwas ist faul, wenn Praxen sich auf Zahnersatz aus Asien
spezialisieren müssen, weil es sich für sie nicht lohnt, mit Plomben
und Wurzelbehandlungen die Zähne von Kassenpatienten zu erhalten.

Und irgendetwas ist faul, wenn kaum noch jedes dritte Kind
zahnmedizinisch untersucht wird, gleichzeitig aber Nougatcremes und
andere Zuckerbomben tagtäglich Attacken auf den Zahnschmelz reiten.

Das Bonussystem der Krankenkassen zugunsten jener, die sich
regelmäßig auf den Stuhl der vermeintlichen Qualen setzen, ist gut.
Doch offenbar reicht es nicht aus. Der Studie der Barmer GEK sollte
ein von den Krankenkassen finanziertes Präventionsprogramm folgen. Es
hilft auf jeden Fall nicht, wenn sich Versicherer und
Ärztevereinigungen den Schwarzen Peter in der Diskussion um
Kostensteigerungen immer wieder gegenseitig zuschieben. Deutschland
drohen längst amerikanische Verhältnisse. Dort lässt sich der
Wohlstand der Menschen bisweilen heute schon am Zustand ihrer Zähne
ablesen.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
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