Westdeutsche Zeitung: Ehe für alle – ohne Rückgrat wird das nichts

Abgelegt unter: Innenpolitik |





Das Wort Homo-Ehe klingt nicht sehr schön und
falsch ist es obendrein. Es gaukelt nämlich etwas vor, was es gar
gibt. Seit August 2001 werden Eingetragene Lebenspartnerschaften
hierzulande so genannt, also die mit amtlichem Segen begründete
Verbindung zweier Menschen desselben Geschlechts. Die erste Hälfte
des Kompositums Homo-Ehe ist diskriminierend, weil sie suggeriert,
dass einer Minderheit ein Recht eingeräumt wird, das der Mehrheit
nicht zusteht – die Möglichkeit, sich zu verpartnern (auch kein
hübsches Wort). Wer aber argumentiert, dass heterosexuelle Menschen
von der Lebenspartnerschaft ausgeschlossen sind, erklärt mit leichter
Hand die Diskriminierten zu Privilegierten. Ausgegrenzt werden
Schwule und Lesben – nämlich von der Ehe. Es käme ja auch niemand auf
die Idee, Blinde für privilegiert zu halten, weil es spezielle
Fußgängerüberwege für sie gibt. Die zweite Hälfte der Bezeichnung ist
unsinnig, mit einer Ehe hat eine Lebenspartnerschaft nur bedingt zu
tun. Wer sich für einen solchen Schritt entscheidet, übernimmt zwar
alle Pflichten einer klassischen Ehe, etwa beim Unterhaltsrecht, muss
auf viele Rechte aber verzichten, beispielsweise bei Adoptionen. Der
Bundesrat hätte gestern die Möglichkeit gehabt, den Weg frei zu
machen für die Ehe für alle, wie die Homo-Ehe richtiger genannt wird.
Einen Gesetzentwurf haben die rot-grünen Länder in die Ausschüsse
verschoben und es stattdessen bei einer wachsweichen Resolution an
den Bundestag belassen. Gut für die SPD, die es im Falle einer
Abstimmung auf eine Machtprobe mit der CDU ankommen lassen müsste.
Bei den Christdemokraten stehen die Zeichen bei der Ehe für alle zwar
auch auf Wandel, allerdings nicht bei der Kanzlerin, die sich mit der
Idee schwertut. Ein Streit in dieser Sache würde der Koalition – die,
um im Bild zu bleiben, eine klassische, aus Machtkalkül arrangierte
Ehe ist – ernste Probleme bescheren. Im Zweifel könnten es die
Genossen darauf ankommen lassen, die Mehrheit der Bevölkerung ist
Umfragen nach bereit für eine Ehe-Öffnung. Das würde aber Rückgrat
und Haltung erfordern, beides ist in Sigmar Gabriels Partei
Mangelware. Siehe Tarifeinheitsgesetz, siehe Vorratsdatenspeicherung
. . .

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@wz.de
www.wz.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de