Westdeutsche Zeitung: Gesundheitsrisiken durch Alkohol werden unterschätzt = von Peter Lausmann

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Dass Alkohol der Gesellschaft mehr schadet als
illegale Drogen wie Heroin oder Kokain, kann nicht verwundern. Denn
das Problem liegt meist im Dunkeln. Die verbotenen Substanzen stehen
im Fokus der Ermittler. Es gibt in der Öffentlichkeit keinen Zweifel
am gesundheitlichen Schaden für die Süchtigen. Diese sind meist über
die Beschaffung als Gruppe identifizierbar, entsprechend können sie
angesprochen und betreut werden.

Anders liegen die Dinge beim Alkohol, dessen Missbrauch sich durch
die ganze Gesellschaft zieht – ob Jung oder Alt, Arm oder Reich, mit
oder ohne Perspektive. Alkohol ist, mindestens für Erwachsene, immer
verfügbar. In jeder Menge und zu jedem Preis.

Das Problem geht weit über die sogenannten Koma-Säufer hinaus. Die
meisten Alkoholiker sind Gewohnheitstrinker, die sich selbst gar
nicht als süchtig bezeichnen würden und im Alltag meist unerkannt
bleiben. Klarer Schnaps wird in die Wasserflasche umgefüllt, gegen
die Fahne hilft das Pfefferminz-Bonbon. Ihre Abhängigkeit wird selten
entdeckt, das schmälert auch das Problembewusstsein.

Der tägliche Alkoholismus wird oft abgetan und verharmlost.
Trinken ist gesellschaftlich anerkannt und fester Bestandteil der
Genuss- und Feierkultur in Deutschland. Alkohol ist selbst Teil der
Gesellschaft, was die Auseinandersetzung mit dem Problem um so
schwerer macht.

Dass die Lage dennoch nicht hoffnungslos ist, zeigt die
Entwicklung bei der anderen Massendroge: dem Tabak. Der Rückhalt in
der Gesellschaft schwindet. Es ist längst nicht mehr lässig, sich mit
der Kippe im Mundwinkel zu präsentieren. Was vor zehn Jahren noch
undenkbar war, ist heute Normalität: Das Rauchen ist aus vielen
öffentlichen Räumen verbannt. Und das wird so auch weitgehend
akzeptiert. Zugleich ist das Problembewusstsein gewachsen. Selbst
wenn die Schockfotos in Deutschland letztlich nicht auf den
Zigarettenschachteln landen werden, zeigt allein die Debatte Wirkung.
Vielleicht hat auch das dazu geführt, dass Jugendliche seltener mit
dem Rauchen beginnen. Das ist schon ein kleiner Erfolg.

Der Kampf gegen Alkohol kann sich beim Umgang mit dem Tabak
einiges abschauen. Dazu gehört auch die Überlegung, die Alkoholsteuer
spürbar anzuheben. Beim Tabak hat das gewirkt.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
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