Westfalen-Blatt: Das WESTALEN-BLATT (Bielefeld) zum Terror

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Nein, ein unbeschwertes Osterfest wird Europa in
diesem Jahr nicht erleben. Wer sich zu Freunden, Verwandten oder
Bekannten aufmacht, bei dem reist die Angst mit. Vielleicht wird
sogar manch einer beten, der das Beten längst verlernt hatte. Auch
wenn das ganz sicher nicht das Ziel der IS-Mörderbanden war. Bei den
Terroranschlägen in Brüssel hat sich erneut gezeigt, wie verwundbar
unser Leben ist. All das, was man nach den Attentaten über die
Schicksale der Opfer lesen konnte, schnürt einem die Kehle zu. Oft
war es der Zufall, der über Leben und Tod entschied. Dieses
besonders lange Wochenende von Karfreitag bis Ostermontag gibt uns
Zeit, über das, was um uns herum passiert, nachzudenken. Über
unsere Art zu leben, unser Werteverständnis, auch über unsere Idee
von Europa. Das kann helfen, die Ereignisse und Bilder aus Belgien
zu verarbeiten. In stiller Trauer wie im Gespräch mit Menschen, die
uns besonders wichtig sind. Dieser Konfrontation mit der Realität
können wir nicht ausweichen. Denn die Terrorgefahr bleibt hoch und
sie ist allgegenwärtig – verschärfte Kontrollen an Bahnhöfen,
Flughäfen und Grenzen sind bloß ihre sichtbarsten Zeichen. Doch zum
persönlichen Umgang mit der Gefahr, zur individuellen
Risikoabschätzung, zur Abwägung von Freiheitsverlangen und
Sicherheitsbedürfnis kommen berechtigte Ansprüche an den Staat
und an die Staatengemeinschaft. Eklatante Mängel in der belgischen
Sicherheitsarchitektur haben die Anschläge begünstigt. Das stimmt
leider. Dennoch sollten wir auf uns schauen: Läuft hierzulande
alles perfekt? Wie sind die hiesigen Behörden miteinander vernetzt?
Welche Daten geben die deutschen Ermittler an die Nachbarn weiter? Wo
nationale Alleingänge und gegenseitige Schuldzuweisungen dominieren,
wären Selbstkritik und rasches gemeinschaftliches Handeln gefragt.
Auch die Europäische Union offenbart im Anblick der terroristischen
Bedrohung eklatante Defizite. Europa wird sich besinnen müssen.
Die Versäumnisse sind lange bekannt. Auch an konkreten Vorschlägen
fehlt es nicht. Der Bielefelder Europapolitiker Elmar Brok (CDU)
hat das schonungslos offengelegt. Eine Analyse, bei der auch einer
seiner Parteifreunde – Bundesinnenminister Thomas de Maizière –
nicht gut wegkam. Es wird Zeit, entschlossen zu handeln. Und es ist
an der Zeit, gemeinsam zu handeln. Europa braucht mehr Kooperation,
um sich entschieden und effizient zu verteidigen. Mag sein, dass es
dazu auch neuer Gesetze bedarf, zuerst aber sollten die bestehenden
angewendet werden. Christen feiern an Ostern das Fest der
Auferstehung Jesu Christi. Es ist ein Fest der Hoffnung und der
Zuversicht. Auch Europa muss sich aufraffen, um neue Zuversicht zu
verbreiten. Beten allein wird dabei nicht reichen. Es sind Taten
gefragt, damit der Terror und die Gewalt nicht das letzte Wort haben.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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