Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Anschlag in Bangladesch

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Die Welt ist geschockt über den Anschlag in
Bangladesch. Das klingt angemessen. Doch ist die Welt wirklich
geschockt? Vier Tage nach dem blutigen Terror auf dem Istanbuler
Flughafen und einen Tag vor den Bombenexplosionen in der Bagdader
Innenstadt ist die Versuchung groß, sich an den weltweiten Terror zu
gewöhnen. Doch das darf nicht sein. Europa hat leidvoll erfahren,
dass es für den sogenannten Islamischen Staat (IS) keine Grenzen
gibt. In Bangladesch, einem Land mit mehr als doppelt so vielen
Einwohnern wie Deutschland, sind schon vor dem Anschlag am Freitag in
diesem Jahr fast 50 Menschen umgebracht worden – Atheisten, Hindus,
Buddhisten, Angehörige muslimischer Minderheiten, Homosexuelle. In
fast allen Fällen übernahmen der IS oder der südasiatische Arm von
El-Kaida die Verantwortung. Doch die Premierministerin und ihr
Innenminister bestritten, dass der IS in Bangladesch aktiv sei.
Der Anschlag beweist auf brutale Art das Gegenteil. Noch bevor
Sicherheitskräfte das bei Ausländern beliebte Restaurant im
Diplomatenviertel der Hauptstadt Dhaka stürmten, kursierten im
Internet Bilder der ermordeten Geiseln. Sie wurden auf die gleiche
Weise hingemetzelt wie zuvor die Opfer der Einzelanschläge. Der IS
erschießt nicht, er schlachtet ab. Mit dem Horror, so die
Kalkulation, wächst die Angst – auch bei Flüchtlingen! Verstörend
sind ebenfalls die Selfies der Täter. Sie zeigen junge adrette
Männer, lachend, als würden sich auf einen Disco-Besuch freuen. Ein
Terrorist besuchte die gleiche Universität wie eines der Opfer. Die
Motive, warum gebildete junge Leute zu Terroristen wurden, sind noch
zu erforschen. Sie taten alles, um den Eindruck zu erwecken, sie
handelten im Namen Allahs. Der IS braucht Nachschub an Terroristen.
Und die will er aus islamischen Kreisen rekrutieren. Zeugen, die das
Gemetzel überlebten, berichteten von einem frommen Mann, der trotz
seines Glaubens sterben musste, weil ihm mit der Machete vor der
Brust nicht schnell genug eine Koran-Sure eingefallen ist. Ein
anderer junger bangladeschischer Muslim starb, weil er sich nicht von
seinen beiden ausländischen Gästen trennen ließ. Frauen, ob Muslima
oder nicht, wurden niedergemetzelt, wenn sie keinen Hijab trugen. Die
Terroristen müssen Hintermänner in den Behörden haben. Diese können
sich durch den Zick-Zack-Kurs ihrer Regierung ermutigt fühlen, die
Angst hat, als »unislamisch« eingestuft zu werden. Es wird sich
zeigen, ob die Regierungspartei zu ihren säkularen Wurzeln
zurückkehrt. Ansonsten wird sie jede Unterstützung verlieren. Mag die
Welt bald über den nächsten Terrorakt erschüttert sein: In
Bangladesch wird man diesen nicht vergessen. Er beschämt auch wegen
der hohen Zahl ausländischer Opfer, ist doch Gastfreundschaft hier
eines der höchsten Güter.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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