Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu dem EU-Türkei-Gipfel

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Das Wort »Erpressung« liegt einem auf der Zunge.
Die türkische Spitze weiß, dass die EU angeschlagen ist und Ankara
für eine Lösung des Flüchtlingsproblems braucht. Sie kann sich auf
die Unterstützung der deutschen Kanzlerin verlassen, die ihrerseits
kurz vor dem Super-Wahlsonntag nicht ohne Erfolg nach Hause kommen
darf. Da nutzte man die Gunst der Stunde und erhöhte sein Angebot
zwar auch in der Sache beachtlich, aber verlangte dafür
Gegenleistungen, die schlichtweg jenseits von Gut und Böse scheinen.
Dass das Land am Bosporus nicht nur auf neuen Schwung bei den
Beitrittsverhandlungen setzen würde, war nicht überraschend. Und
natürlich will man nicht nur verhandeln, sondern auch eine
verlässliche Perspektive. Außerdem hat sich der Preis für das
Entgegenkommen von drei auf sechs Milliarden verdoppelt. Ankara sieht
offenbar eine gute Chance, die verarmten Regionen, in denen sich die
Lager befinden, mit europäischem Geld zu sanieren. Die EU, die durch
ihre eigene Uneinigkeit so stark geschwächt ist wie selten zuvor,
steht also mit dem Rücken an der Wand. Sie weiß, dass sie die
Flüchtlingskrise alleine nicht in den Griff bekommt. Aber sie muss
sich nun klar bekennen: für oder gegen Ankara? Europa hat keine Wahl.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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