Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Flüchtlingen

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Europa muss diesen Montag fürchten. Denn der
Versuch, die Menschen in den griechischen Auffanglagern per
Eilverfahren in solche mit und ohne Asylperspektive zu sortieren, ist
mehr als nur ein bürokratischer Akt. Selbst die, denen man die
Ausreise in die EU auf dem nun möglichen Umweg über die Türkei in
Aussicht stellt, werden sich wehren und widersetzen – zu groß ist
ihre Verzweiflung, zu groß sind die Wunden des Krieges und der
Flucht, als dass sie so kurz vor dem Ziel Europa aufgeben könnten.
Denn der verschlungene Weg nach Europa muss ihnen wie eine grausame
Verlängerung ihrer Flucht erscheinen. Hinzu kommt das nach wie vor
große Misstrauen in die Türkei. Ihr Präsident und ihre Regierung
haben in den Tagen seit dem Abkommen mit der EU wenig dazu
beigetragen, sich als stabiler und demokratisch ernstzunehmender
Partner zu präsentieren. Wird das Land auch weiter Syrer in ihre
Heimat abschieben, deren Präsident Baschar al-Assad gerade erst
versichert hat, er werde weiterkämpfen, bis er ganz Syrien wieder
unter Kontrolle hat? Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass die
Rückführung mit anschließender geregelter Ausreise ohne schwer zu
ertragende Bilder beginnen kann. Fast hat man das Gefühl, in den
Regierungshauptstädten habe man sich auf das
Augen-zu-und-durch-Prinzip eingestellt. Nach dem Motto: Die ersten
Tage werden schlimm, danach könnte es laufen – und wirken. Doch die
Bilder dürften sich in das europäische Bewusstsein und die Geschichte
der Gemeinschaft eingraben, die ihre Solidarität eingebüßt hat und
sich nun zur Festung macht. Das ist nicht nur ihre Schuld: Die
Flüchtlinge sind zum großen Teil Opfer krimineller Menschenhändler
geworden, die ihre Not kaltblütig ausgenutzt haben. Dass man dieser
Form der organisierten Kriminalität nicht anders begegnen konnte, als
ihre Opfer aus dem Meer zu holen und dann wieder unter neuen Leiden
zurückzuschicken, ist der eigentliche Skandal. Und er macht die
Türkei ebenso wie die afrikanischen Anrainerstaaten zumindest zu
Mitschuldigen. Sie waren es, die die EU gezwungen haben, die Festung
sturmsicherer zu machen. Aber Europa hat noch eine Chance, sich in
ein besseres Licht zu rücken. Denn die Rückführung derer, die nach
dem 20. März nach Griechenland kamen, ist nur die eine Seite der
Medaille. Die andere wird die europäische Familie weiter fordern,
schließlich soll die Türkei für jene, die sehr wohl ein Recht auf
Asyl haben, keine End-, sondern lediglich Zwischenstation auf dem
dann legalen Weg in diese Union sein. Wenn Europa glaubwürdig bleiben
will, dürfen nicht nur Schiffe von Griechenland Richtung Bosporus
ablegen, es müssen auch Flugzeuge von der Türkei nach Europa starten.
Doch werden die 28 Staaten bereit sein, ihr jeweiliges Kontingent
zu erfüllen? Zweifel sind – leider – wieder einmal angebracht.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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