Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Gauck in den USA

Abgelegt unter: Allgemein |





Für Bundespräsident Joachim Gauck ging mit dem
Besuch im Weißen Haus ein Lebenstraum in Erfüllung. Seine
Wertschätzung der Vereinigten Staaten teilt der Pfarrer aus Rostock
mit der Pfarrerstochter aus Templin. Weil Gauck und Merkel das Fehlen
von Freiheit am eigenen Leib kennengelernt haben, wissen sie deren
Wert anders zu schätzen. Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung
hätte es kaum einen besseren Botschafter geben können, US-Präsident
Obama den Dank der Deutschen für die Hilfe der Amerikaner bei der
Überwindung zweier Diktaturen und der Teilung zu überbringen. Gauck
empfindet ihn von Herzen.

Den Bundespräsidenten schmerzt ganz besonders, dass die
transatlantischen Beziehungen Rost angesetzt haben. In erfrischender
Offenheit sprach er die Symptome des Unbehagens an. Auf Seiten der
Europäer sind es die Lauschangriffe der NSA Guantanamo und
militärische Interventionen. Die Amerikaner dagegen verstehen nicht,
warum sie weitgehend die militärischen Lasten schultern sollen und
die Europäer nicht entschieden genug gegen Bedrohungen der inneren
Sicherheit vorgingen.

Aus dem Mund Gaucks klingt es glaubwürdig, wenn der USA-Freund
postuliert, die USA seien trotz mancher »Irrwege« der vergangenen
Jahre immer ein Partner gewesen, auf dessen »Willen zur Verteidigung
der Freiheit« er sich verlassen habe.

Angesichts der Krisen, die sich rund um Europa zusammenbrauten,
aber auch wegen der Rückkehr nationaler Egoismen sei die
transatlantische Wertegemeinschaft das beste Gegenmittel. In einer
Grundsatzrede an der Elite-Universität von Pennsylvania wagt Gauck
die These, dieses Bündnis bleibe essentiell für eine erfolgreiche
Bewältigung der großen Krisen in der Welt. Bei den Gesprächen mit
Präsident Obama und Außenminister Kerry ging es dann ganz konkret um
diese Krisenherde: Das Flüchtlingsdrama im Mittleren Osten und
Nordafrika, der Krieg in Syrien und die Ukraine. Der kritische
Hinweis Gaucks an die Mitverantwortung der USA für die
Flüchtlingsströme und sein Appell an die Supermacht, ihr gerecht zu
werden, zeigt, wo die Sonntagsrede aufhört und der transatlantische
Alltag weitergeht.

Dasselbe gilt für Gaucks Warnung, es funktioniere nicht, wenn
Deutschland international mehr und die USA weniger täten. Angesichts
der tatsächlichen Verteilung der Sicherheitslasten ist das eine
leicht verzerrte Wahrnehmung. Das als Gastgeschenk mitgebrachte
Mauerstück erinnert daran, was Europa und die USA gemeinsam erreicht
haben und noch erreichen können. Aber auch, dass Freiheit und
Sicherheit immer zusammengehören.

Vielleicht bringt Joachim Gauck von seiner Pilgerreise zu den
Ikonen der Freiheit die Einsicht mit zurück, dass es in Europa hohe
Zeit wird, sich mit der Sicherheit ein wenig intensiver zu
beschäftigen.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de