Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Israel und Deutschland

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Israel ist ein Land der Vielfalt und Gegensätze.
Es ist dem Leben im Hier und Jetzt zugewandt, aber auch zutiefst
religiös. Es ist westlich orientiert, aber auch ein bisschen
orientalisch. Es ist militärisch hochgerüstet, aber doch so
angreifbar. Nach 50 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Israel
und Deutschland wurzelt der größte Widerspruch beider Staaten noch
immer in der Vergangenheit: Juden wollen nie wieder Opfer sein,
Deutsche wollen nie wieder Täter sein und wollen nie mehr Krieg. Die
industrielle Ermordung von sechs Millionen Juden während der
Nazi-Diktatur war, ist und bleibt ein Zivilisationsbruch
sondergleichen. Natürlich haben Tätervolk und Opfervolk daraus
unterschiedliche Konsequenzen gezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg
haben die beiden neu gegründeten Staaten daran ihre Politik
ausgerichtet. Und darin liegt der Kern des Problems im Umgang
miteinander. Während Israel sich seit seinem Bestehen, also seit 67
Jahren, gegen die Angriffe seiner arabischen Nachbarn wehren und
seine Existenz jeden Tag militärisch verteidigen muss, hat sich die
Bundesrepublik über die Jahrzehnte zu einem pazifistischen Land
entwickelt, in dem Frieden den höchsten Stellenwert hat. Sei es
sozialer Frieden, Betriebsfrieden oder der Frieden in Europa und der
Welt. Wenn da ein Staat wie Israel mit seinen 8,3 Millionen
Einwohnern den Frieden stört, steht er schnell als Kriegstreiber am
Pranger. Nach dem Gaza-Feldzug im Sommer 2014 und den zum Teil
radikalen Anti-Israel-Demonstrationen vor allem in Berlin hatte gut
die Hälfe der Deutschen eine schlechte Meinung über Israel. 62
Prozent machten ihre negative Haltung gegenüber dem jüdischen Staat
an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fest. Angesichts der Bildung
der neuen rechts-religiösen Regierung scheint eine Friedenslösung in
weiter Ferne. Die Freundschaft zu Israel ist leider keine Sache aus
der Mitte des Volkes. Die besten Kontakte pflegen Politiker,
Wissenschaftler, Unternehmer, Intellektuelle, Kirchengemeinden und
Bürger, die Städtepartnerschaften mit Leben füllen. Diese Leute
wissen, dass Israel trotz aller Unterschiede unsere westlichen Werte
teilt und zu unserem Kulturkreis gehört. Klar dürfte auch sein, dass
Angela Merkels Worte aus dem Jahr 2008, wonach Israels Sicherheit
Teil der deutschen Staatsräson ist, eines gewiss nicht bedeuten: dass
die Bundeswehr zum Einsatz käme, um Israel zu verteidigen. Dazu wäre
die deutsche Armee – Stand jetzt – auch gar nicht in der Lage.
Verantwortung für Israel muss Deutschland bei den Verhandlungen um
das iranische Atomprogramm übernehmen. Dass die Mullahs die Bombe
nicht in ihre Hände bekommen, gehört zur deutschen Staatsräson. Was
wir nie vergessen dürfen: Israel will einfach nur überleben.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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