Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Nizza

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Schon wieder. Schon wieder Frankreich. Schon
wieder Tote und Verletzte, darunter mehr als 50 Kinder. Ausgerechnet
in der Urlaubszeit. Hört das grausame Töten unschuldiger Menschen
denn niemals auf? Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, lautet die
Antwort: leider nein.

»Charlie Hebdo«, Bataclan, Nizza: Es ist schon der dritte schwere
Anschlag in Frankreich innerhalb von eineinhalb Jahren. Am
Nationalfeiertag wollen die Menschen in der Hafenstadt Nizza feiern –
bis der feige Terrorakt die französische Metropole ins Herz trifft
und das ganze Land erneut in Tränen und Trauer legt.

Die Promenade des Anglais gilt als einer der schönsten Orte in
ganz Europa. Ein besseres Symbol für das unbeschwerte Leben mitten in
der Sommer- zeit gibt es nicht. Jetzt ist Nizzas Flaniermeile zum
Schauplatz des Schreckens geworden. Erneut gilt unser Mitgefühl den
Hinterbliebenen und allen Franzosen.

Die Fußball-Europameisterschaft ist gerade vorüber. Eigentlich
hatten die Franzosen einen Anschlag während des Turniers befürchtet.
Um so größer war die Erleichterung, nachdem weitgehend alles
friedlich geblieben ist. Die Menschen im Land atmeten auf. Das
zuletzt schwer getroffene Frankreich schöpfte durch das Fußballfest
neue Zuversicht – da schien es fast schon zweitrangig zu sein, dass
der EM-Titel als Krönung des Turniers ausgeblieben ist.

Und jetzt das. Der Horror ist zurückgekehrt. Das Massenmorden geht
weiter – sogar in kürzeren Abständen und auch noch grausamer und
blutiger, als es noch vor Jahren der Fall war. Wie soll Frankreich
jemals zur Ruhe kommen? Wie sollen die Menschen wieder ein normales
Leben ohne Angst führen können? Es wird gehen müssen – auch wenn es
neuen Terror geben wird. In Frankreich oder woanders auf dieser vor
Anschlägen dieser Art nicht mehr sicheren Welt. Die Abläufe nach
Anschlägen sind bekannt. Auch nach Nizza läuft der gleiche, grausame
Film ab: Auf Trauer, Fassungslosigkeit und Wut folgen Ermittlungen,
Festnahmen, Ursachensuche, Konsequenzen, Racheakte. Bis zum nächsten
Mal, wenn wieder Menschen sterben und das Horrorszenario von vorne
los geht.

Zu verhindern ist das nicht. Auf Knopfdruck kann der
internationale Terrorismus nicht abgestellt werden. Es ist eine
dauerhafte Aufgabe der Staatengemeinschaft, die Jahrzehnte andauern
wird. Trotz aller Maßnahmen zur Verstärkung der inneren Sicherheit,
die unstrittig in ganz Europa dringend notwendig sind, werden auch
künftig Anschläge aus dem Nichts passieren. Auch wenn es noch so hart
klingt: Wir werden leider lernen müssen, damit zu leben. Das heißt
nicht, dass wir Anschläge akzeptieren oder gar, dass sie uns
gleichgültig werden. Ganz im Gegenteil: Wir müssen unsere Werte wie
Toleranz, Demokratie und Menschenrechte mehr denn je verteidigen.
Unsere Freiheit ist das wichtigste. Sie sollte uns so wichtig sein,
dass wir darum kämpfen und versuchen, keine Angst zu zeigen.

Deshalb ist es richtig, die Tour de France nicht abzusagen. Unser
freiheitliches demokratisches Leben muss weitergehen, auch wenn der
Terror mittlerweile dazugehört. Vorsicht und Achtsamkeit sind
geboten, wie Innenminister Thomas de Maizière sagt, aber nicht
Einschüchterung und Angst.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon nach den Terroranschlägen
von Paris gesagt: »Wir sind stärker als jede Form von Terrorismus.«
Daran hat sich auch nach Nizza nichts geändert.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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