Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Obamas Treffen mit Putin

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So geht es nicht mehr weiter. Das dürfte die
klare Erkenntnis zum Status Quo im Bürgerkriegsland Syrien sein, die
hinter der Entscheidung von US-Präsident Barack Obama steht, mit
Wladimir Putin zu sprechen. Seit sich Hunderttausende auf Booten und
zu Fuß auf den Weg nach Europa gemacht haben, lässt sich die Krise
nicht weiter ignorieren. Sie steht sprichwörtlich vor der Haustür.

Weil George W. Bush mit seiner kopflosen Invasion in Irak die
Büchse der Pandora in der Region geöffnet hatte, stehen die USA
unter Druck, mehr zu tun. Erst Freitag gab sich Obama nach langem
Zögern einen Ruck, Putin nun am Rand der UN-Vollversammlung in New
York nach fünfzehn Monaten Funkstille direkt zu sprechen.

Russland spielt in der syrischen Tragödie eine Schlüsselrolle,
weil es das Assad-Regime militärisch stützt. Dahinter stehen
geostrategische Interessen Moskaus, das seinen Mittelmeerhafen in
Latakia nicht verlieren will. Zudem sehen die Russen Syrien als
Pufferzone, die ihnen islamistischen Terror vom Hals hält. Beides hat
Damaskus bisher garantiert. Diese Analyse legt fast zwingend nahe,
dass es ohne Russland keine Lösung geben wird.

Angesichts des Elends in Syrien darf nichts unversucht bleiben,
das Schlachten zu beenden. Der erste Schritt auf dem Weg dahin ist
der direkte Dialog zwischen Obama und Putin. So lässt sich am besten
herausfinden, was der Machtpolitiker aus Moskau im Schilde führt. Das
scheint umso mehr geboten, seit die Amerikaner mit ihrem eigenen
Latein am Ende sind. Obamas Anti-IS-Koordinator, Ex-General John
Allen, erklärte zum November seinen Rücktritt, nachdem er im Kongress
einräumen musste, dass ganze »vier bis fünf« von den USA ausgebildete
Rebellen in Syrien kämpften. Dass der ehemalige General Petraeus
zuletzt vorschlug, mit den El-Kaida-nahen Kämpfern der Al-Nusra-Front
gemeinsame Sache zu machen, zeigt wie perspektivlos die Situation
geworden ist.

Gemessen daran klingt die Entscheidung Obamas vernünftig, auch
mit Putin, den er für einen politischen Straßenschläger hält, jeden
Spielraum auszuloten. Der Kampf gegen den »Islamischen Staat« bietet
sich als Schnittmenge an. Und scheint dringlicher denn je, weil der
IS im Unterschied zu dem bloß an seinem Überleben interessierten
Assad-Regime eine revolutionäre Kraft ist, die eine ganze Region
destabilisiert.

Es gibt viele gute Gründe, die Erwartungen an das Treffen zwischen
Obama und Putin nicht zu hoch zu schrauben. Aber es könnte dazu
beitragen, die Sponsoren der diversen Bürgerkriegsparteien an einen
Tisch zu bekommen. Die Türkei, Saudi-Arabien und Iran werden für eine
nachhaltige Lösung gebraucht. Auch deshalb ist das Treffen Obamas und
Putins am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen so
wichtig.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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