Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Trump

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Der »Frankenstein«-Kandidat hat das Ziel seiner
Mission erreicht. Mit der offiziellen Nominierung auf dem
Wahlparteitag der Republikaner hat Donald Trump seinen Schöpfer
zerstört. Die Partei Abraham Lincolns, Ronald Reagans und George W.
Bushs folgt nun einem Rattenfänger, der Amerikas Konservative in den
Untergang führt. Selbst wenn Trump im November gewinnt, sind die Tage
der »Grand Old Party« gezählt. Die Partei, die Amerika einst aus der
Sklaverei führte, wird nun von einem bigotten Mann geführt, der offen
Rassismus und Diskriminierung predigt. Die leidenschaftlichsten
Verfechter des Freihandels haben nun einen Protektionisten an ihrer
Spitze, der wirtschaftlichen Nationalismus über die Verheißung
offener Märkte stellt. Dass nun ausgerechnet die emsigsten Agenten
der Globalisierung die ersten Opfer eines Populisten werden,
entbehrt nicht der Ironie und verlangt eine Erklärung. Während die
Führer der Republikaner über Jahrzehnte eine Politik betrieben, die
soziale Sicherungsnetze zerschnitt, den Zugang zu Bildung und
Gesundheit erschwerte und die kleinen Leute den Preis für ihre
militärischen Abenteuer zahlen ließ, appellierten sie unterschwellig
an die Ängste ihrer weißen Basis im ländlichen Amerika. Trumps Wähler
finden es nun erfrischend, wenn ihr Führer nicht mehr bloß zwischen
den Zeilen, sondern ganz direkt ausspricht, was viele von ihnen
denken. Seine Schöpfer verloren die Kontrolle über das Monster, weil
sie es über Jahre mit ihren impliziten Botschaften genährt hatten.
Die Nominierung Trumps bedroht nun auch den Kern einer vitalen
Nation, die entgegen aller Unkenrufe noch immer der Neid der Welt
ist. Dass Amerika unter Präsident Barack Obama rasant auf ihren
Niedergang zusteuert, gehört zu den Idiotien, die der Twitter-König
aus seinem Wolkenkratzer in Manhattan schamlos verbreitet und der
Parteitag beschwört. Tatsächlich blicken die USA auf eine der
längsten Wachstumsphasen in der Geschichte zurück. Der Aktienmarkt
notiert so hoch wie nur zu vor und die Arbeitslosigkeit liegt mit
unter fünf Prozent niedriger denn je. Zuletzt zogen auch die Löhne
an. Die Probleme, die den USA zu schaffen machen, haben mit dem
enormen Ungleichgewicht bei der Einkommens- und Wohlstandsverteilung
zu tun. Die Globalisierung hat eine neue Unterklasse geschaffen,
deren Angehörige mangels Zugang zu bezahlbarer Bildung kaum
Aufstiegsmöglichkeiten haben. Die größte Gefahr für die USA rührt
nicht von diesen realen Problemen, sondern narzisstischen Führern,
die nicht an die besten, sondern niedersten Instinkte der Bürger
appellieren. Trump steht nicht nur für eine andere Politik, sondern
für ein anderes Amerika.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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