Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Atomabkommen

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Es ist nicht lange her, da stand die Welt in
Iran der Schwelle zum Atomkrieg am nächsten. Oder einem durch einen
israelischen Präventivschlag ausgelösten großen Krieg in der Region.
Diese Gefahr ist mit dem Abkommen von Wien zunächst gebannt. Es
bietet die Chance von der Konfrontation zur Kooperation zu kommen.
Dieses Umdenken fällt den Falken in Teheran wie im amerikanischen
Kongress allerdings noch schwer.

Das Abkommen ist, wenn alle Seiten es einhalten, eine Chance für
die Welt. Zum einen, weil es gelingen könnte, die Weiterverbreitung
von Atomwaffen friedlich zu stoppen und zudem eine nukleare
Rüstungsspirale im Nahen Osten im Ansatz zu verhindern. Denn
Saudi-Arabien und auch die Türkei hätten nicht mehr lange gewartet
mit ihren Atomplänen. Zum anderen aber, weil der Abschluss zeigt,
dass aus Erzfeinden Partner werden können. Die Besetzung der
US-Botschaft ist ebenso Geschichte wie der Hassprediger-Präsident
Ahmadinedschad.

Darauf hat, auch in Iran, eine neue Generation sehnlich gewartet,
die vom Fortschritt profitieren und ihre Zukunft und die ihrer Kinder
nicht unter sinnlosen ideologischen Konfrontationen begraben sehen
will. Mit dem Fortfall der Sanktionen wird dieses stolze Land, dessen
Bürger, Männer wie Frauen, extrem gut gebildet und organisiert sind,
ökonomisch regelrecht explodieren. Die Mullahs werden nun unter Druck
geraten, dem Ende des Atomstreits auch eine gesellschaftliche Öffnung
folgen zu lassen. Es wird ein Kampf werden. Im Kriegsfall freilich
wäre dieser Kampf schon entschieden. Gegen die Moderne.

Man kann, ja muss die israelische Angst verstehen. Das Land ist so
klein und so dicht besiedelt, dass schon eine einzige Atomrakete
ausreichen würde, es de facto auszulöschen. Und es gibt keinen
Zweifel daran, dass Iran sich zumindest die Option dazu beschaffen
wollte. Israel kann eine atomare Bedrohung gegen sich nicht dulden,
sondern muss sie im Ansatz verhindern. Israel kann auf Dauer nur
sicher leben, wenn es friedlich mit seinen Nachbarn lebt. Tel Aviv
sollte diese Chancen erkennen. Natürlich, Iran bekommt nun das
verbriefte Recht, die Atomkraft zu nutzen. Das ist der Preis. Aber
die fünf Atommächte plus Deutschland garantieren die Kontrolle der
Anlagen. Das ist keine hundertprozentige Sicherheit. Aber eine
ausreichende.

US-Präsident Barack Obama hat auf den letzten Metern seiner
Amtszeit die Aussöhnung mit Kuba geschafft und einen Ausweg aus dem
Atomstreit mit Iran gefunden. Er hat die USA von zwei
Uraltkonflikten befreit, in die sie sich bis zur Bewegungslosigkeit
verstrickt hatten. Allein dafür hat er den Friedensnobelpreis
verdient, den er 2009 viel zu früh bekam. Seinen Nachfolgern bleiben
Aufgaben ähnlicher Größe. Nordkorea. Der Nahe Osten. Russland.
Hoffentlich haben sie eine ähnliche Weitsicht.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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