Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Auschwitz-Prozess um den früheren SS-Mann Oskar Gröning

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Es ist bemerkenswert: Ein 93-Jähriger, der am
Rollator geht und von seinen Anwälten gestützt werden muss, versteckt
sich nicht hinter Alter und Krankheit, sondern gesteht. Nicht
irgendetwas Belangloses, sondern seine Komplizenschaft im
Konzentrationslager Auschwitz, wo mehr als eine Million Menschen
ermordet worden sind. Der frühere SS-Mann Oskar Gröning macht es
sich nicht einfach. Während Angeklagte heute oft von ihrem Anwalt
eine Erklärung vorlesen lassen, spricht Gröning selbst. Fast eine
Stunde lang. »Ich habe mich moralisch mitschuldig gemacht«, sagt er.
Kein Wort davon, dass er nur Befehlen gehorcht habe, dass ihm keine
Wahl geblieben sei. Am Ende seines Lebens hat der Bankangestellte
Bilanz gezogen. Zum einen für sich. Zum anderen aber hat Gröning,
gewollt oder nicht, 70 Jahre nach dem Holocaust auch ein Zeichen
gesetzt. Viele in seiner Generation wollen von Vergasungen nichts
mehr hören, kleine Teile folgender Generationen bestreiten den
Holocaust sogar. Vielleicht war es gestern das letzte Mal, dass alle
aus dem Mund eines Täters noch einmal die Wahrheit erfuhren.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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