Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum gesteuerten Auto fahren

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Wer im Straßenverkehr in andere Autos schaut,
wundert sich schon gar nicht mehr, dass Autofahrer nicht nur wartend
vor der Ampel, sondern auch während der Fahrt mit ihren Smartphones
beschäftigt sind. Vielleicht hat dieses Bild vom tippenden
Autofahrer die Internetkonzerne Apple und Google auf die Idee
gebracht, aus Pkw ferngesteuerte Smartphones mit Blechhülle und
Sitzgelegenheit zu machen. Denn wer immer online sein will, der kann
sich nicht auf den Verkehr konzentrieren. Schon längst scheint nicht
mehr die Frage zu sein, ob das automatisierte Autofahren kommt. Es
geht nur noch um den Zeitpunkt der Marktreife. Das machen die
inhaltlichen Schwerpunkte der eingesetzten Ethik-Kommission ganz
deutlich. Die Betrachtungen sind in erster Linie juristischer Art.
Was bedeutet: Letztendlich dreht sich fast alles um die Haftung. Wer
trägt die Schuld und bezahlt den Schaden, wenn in einem von Software
gelenkten Auto der falsch programmierte Algorithmus einen Unfall
verursacht? Politik und Wirtschaft sind sich offenbar einig, dass die
Autohersteller und ihre Zulieferer aus der Haftungspflicht genommen
werden sollen. Der Fahrer müsse stets »wahrnehmungsbereit« sein,
heißt es. Was soll das bedeuten? Wer auf seinem Smartphone eine
Nachricht schreibt oder einen Text liest, ist mit Sicherheit nicht
»wahrnehmungsbereit«. Wenn Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung
(»Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht«) in
dieser Form auch nach der Einführung selbstfahrender Autos weiter
gelten soll, dann drängt sich die Frage auf: Wozu soll das alles
überhaupt gut sein? In Deutschland ist die Skepsis groß. Nach dem
tödlichen Unfall mit einem computergesteuerten Tesla-Pkw sprachen
sich in einer Umfrage 83 Prozent gegen automatisiertes Fahren aus.
Dabei dürfte kaum jemand etwas gegen Assistenzsysteme wie Stau- und
Einparkautomatik haben. Die Wurzeln für das fehlende Vertrauen liegen
viel tiefer. Fremdgesteuertes Fahren beschränkt die Freiheit und die
Selbstbestimmung des Individuums. Apple, Google und die von ihnen
getriebenen Autohersteller wollen den Leuten einreden, dass es nichts
Schöneres gebe, als sich ins Auto zu setzen und die Hände vom Lenkrad
zu lassen. Welch ein Irrglaube. Dahinter steckt ein gefährlicher
Trend. Ähnlich wie bei der politisch forcierten Abschaffung des
Bargelds geht es bei der Beschränkung des selbstbestimmten
Individualverkehrs darum, Kontrolle auszuüben. Keine Scheine mehr im
Portemonnaie und keinen Autoschlüssel in der Jackentasche – wenn das
die Zukunft sein soll, ist es aus mit der Freiheit.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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