Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Silvestereinsatz der Polizei in Köln

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Kann die Polizei es denn gar nicht mehr recht
machen? Silvester 2015 zu zurückhaltend, 2016 zu forsch. Wenn man es
ganz einfach haben will, lässt sich die jeweilige Kritik an den
Kölner Polizeieinsätzen rund um den Hauptbahnhof natürlich so
zusammenfassen. Gerecht wird man damit aber weder der einen Debatte
noch der anderen. Die Diskussion vor Jahresfrist rührte an die Frage
der personellen Ausstattung der Polizei und an die Offenheit, mit der
über Taten und Täter gesprochen wird. Im Ergebnis wurden in beiden
Punkten Mängel festgestellt, deren Behebung noch längst nicht
abgeschlossen ist. Die aktuelle Diskussion führt am Ende aller
Wortklaubereien und parteipolitischen Reflexe zu der Frage, wie viel
Skepsis im Umgang mit welchen Einwanderern geboten ist. In der
vergangenen Woche wurde bekannt, was der neueste Lagebericht des
Bundeskriminalamts dazu an Statistiken beitragen kann: Untersucht
worden seien 214600 Straftaten, die in den ersten drei Quartalen des
Jahres 2016 Einwanderern zugeschrieben werden. Demnach sind in
Deutschland lebende Menschen aus den Maghreb-Staaten, die nur etwa
zwei Prozent der Einwanderer stellen, dennoch bei 22 Prozent der
Taten verdächtigt oder überführt worden. Dieser Umstand und die
Erfahrungen der Silvesternacht 2015 – gehört es da nicht zur
Lebenswirklichkeit, dass auch die Polizei die beiden möglichen
Lesweisen des nun kritisierten Begriffs »Nafri« zusammenwirft und im
laufenden Einsatz alle »Nordafrikaner« (Verständnismöglichkeit eins)
zu zu überprüfenden möglichen »nordafrikanischen Intensivtätern«
(Verständnismöglichkeit zwei) werden? Möglichen Tätern, hier kommt es
auf jedes Wort an. »Wir kennen unsere Pappenheimer«, hätte man
vielleicht früher gesagt, als es noch kein Twitter gab. Man kann das
jetzt Pauschalverdächtigungen nennen. Und eine anlasslose Überprüfung
von Nordafrikanern am helllichten Tag in einer ostwestfälischen
Fußgängerzone wäre anders zu bewerten. Aber am Silvesterabend am
Kölner Dom, da war das Vorgehen der Polizei richtig. Zumal der
Polizeibericht im Raum steht, dass einige der Männer sich aggressiv
verhalten haben sollen. Es ist richtig, sensibel auf mögliche
Vorverurteilungen und Verallgemeinerungen zu reagieren. Aber jeder
polizeilichen Maßnahme geht eine Einzelfallabwägung voraus, die sich
nur in Kenntnis aller Einzelheiten richtig beurteilen lässt. Welchen
Anlass hatten Christian Movio und Luca Scatà noch einmal, als sie
Anis Amris Papiere sehen wollten?

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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