Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema arbeitslose Flüchtlinge

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Ist das deutsche Beschäftigungswunder die
längste Zeit ein Wunder gewesen? Wer die aktuelle
Arbeitslosenprognose der Bundesregierung nur oberflächlich zur
Kenntnis nimmt, der könnte die Frage mit Ja beantworten. Doch
Panikmache ist unangebracht. Wenn allein im vergangenen Jahr mehr als
eine Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kamen, dann kann das
nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorübergehen. Steigen vor diesem
Hintergrund die Arbeitslosenzahlen, dann heißt das auch, dass immer
mehr Neuankömmlinge ihr Asylverfahren durchlaufen haben und nun den
Arbeitsmarkt erreichen. Erst dann werden sie nämlich von der
Bundesarbeitsagentur erfasst. Und erst dann kann endlich auch die
Integration ins Erwerbsleben starten. Insofern hat die
Regierungsprognose sogar etwas Positives. Bereits 2015 wurde
bekannt, dass die Arbeitsagenturen das Ausmaß der Arbeitslosigkeit
von Flüchtlingen ab Mitte 2016 gesondert erfassen würden. Dies sorgte
damals für böses Blut. Kritiker fürchteten, die Regierung könnte so
das Problem klein rechnen. Seit Juni lässt sich die Entwicklung
schwarz auf weiß nachlesen. Aktuell sind 5,3 Prozent der Arbeitslosen
Flüchtlinge. Dieser Anteil wird zwangsläufig erst einmal weiter
zunehmen. Wann sich der Trend stoppen oder gar umkehren lässt, hängt
von vielen Faktoren ab. Zuallererst natürlich von der
Integrationswilligkeit der Flüchtlinge selbst. Von ihrer
Bereitschaft, sich auf die deutsche Gesellschaft einzulassen. Doch
das kann keine Einbahnstraße sein. Die Sprachförderung bleibt das A
und O. Zugleich müssen genügend staatliche Integrationskurse zur
Verfügung stehen. Genauso wie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, denn
das Qualifikationsniveau der allermeisten Neuankömmlinge ist gering.
Auch deshalb sollten Arbeitsvermittler schon während der
Asylverfahren noch stärker aktiv werden, um die berufliche Eignung
Betroffener frühzeitig festzustellen. Notwendig ist auch eine
Anerkennung von Berufsabschlüssen, die nicht unbedingt immer den
hohen deutschen Standards entsprechen. Zweifellos sind hier auch die
Unternehmen in der Pflicht. Dabei ist es kein Nachteil, dass viele
von ihnen dringend Personal suchen und sich deshalb selbst ins Zeug
legen (müssen), um Eignungsdefizite potenzieller Bewerber abzubauen.
Für Flüchtlinge dürften sich so ebenfalls bessere
Beschäftigungschancen auftun als noch in Zeiten, da die
Arbeitslosigkeit in Deutschland von einem traurigen Rekord zum
nächsten eilte. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen
grundlegend geändert: Bis 2020 erwartet die Bundesregierung einen
Anstieg der Beschäftigtenzahl um eine Million auf gut 44 Millionen.
Ebenfalls nachzulesen in ihrer aktuellen Prognose. Damit wäre das
Wunder also noch lange nicht vorbei.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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