Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Entwicklungshilfe

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Die Nagelprobe kommt schneller als gedacht. Fünf
Wochen nach dem Treffen der sieben mächtigsten rechtsstaatlich
verfassten Wirtschaftsnationen auf Schloss Elmau sieht man sich – in
einem weit größeren Kreis – in Addis Abeba wieder. In dieser Woche
geht es in Äthiopien um die künftige globale
Entwicklungsfinanzierung. Die G7-Länder müssen zeigen, was von ihren
Beschlüssen in Bayern zu halten ist. Laut Elmauer Abschlusserklärung
sind sie »bestrebt, 500 Millionen Menschen in Entwicklungsländern bis
2030 von Hunger und Mangelernährung zu befreien«. Das klingt gut,
muss sich aber als solches noch erweisen. Denn das hohe Ziel soll
»mit Partnern« erreicht werden. Wenn damit beispielsweise die
Bill-Gates-Stiftung und andere schwerreiche Dritte gemeint wären,
täten sich Hintertürchen auf. Immerhin kann Deutschland einiges
aufweisen. Im jüngsten Haushaltsentwurf steigt der Etat im Ressort
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung um satte 13,5 Prozent
auf 7,42 Milliarden Euro. Einen solchen Zuwachs hat es bei der
deutschen Entwicklungshilfe noch nie gegeben. Lobenswert: Die
Armenhäuser dieser Welt sollen Anteil haben am jüngsten deutschen
Wirtschafts- und Wohlstandswunder. Fachminister Gerd Müller (CSU)
formuliert mit breiter bayerischer Brust: »Deutschland spricht nicht
nur über seine wachsende Verantwortung in der Welt. Deutschland
handelt auch.« Müller und seine Leute brauchen also den Vorwurf der
Knauserigkeit bei der Konferenz im einst bitterarmen und noch 1980
fast verhungerten Addis Abeba nicht zu fürchten. Ihre Aufgabe ist es,
sich stark zu machen für eine Gerechtigkeit, die nicht zu kaufen und
nur politisch zu erreichen ist: Kleinbauern schützen, die Landflucht
durch echte Erwerbschancen stoppen und ökologischen Landbau in der
Dritten Welt vorantreiben. Weniger Krieg und mehr Frieden machen aus
ärmlichen Hütten zwar noch keine Paläste, aber stoppen die
Fluchtwelle der gegenwärtig 60 Millionen durch Gewalt und Hunger
entwurzelten Mitmenschen weltweit. Die vielen anderen
Teilnehmerstaaten beim Welttreffen zur Entwicklungsfinanzierung
können sich übrigens nicht hinter den G7 verstecken. Weltweit hungern
nach UN-Definition derzeit 800 Millionen Menschen stark und
dauerhaft. Das sind 300 Millionen mehr, als die G7 (bis 2030) von
extremer Armut befreien wollen. Es bliebt also noch viel zu tun für
China, Russland und alle anderen, die sich für groß und bedeutend
halten. Gerade Deutschland, aber auch die anderen demokratisch
regierten Wirtschaftsmächte sollten ihre Stärke und erklärte
Bereitschaft zur Hilfe nutzen, um auch andere Länder, ganz nach ihrer
Leistungskraft, stärker mit in die Verantwortung zu nehmen.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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