Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Papstreise

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150 Dollar für eine Vorbeifahrt des Papamobils
im Central Park, Franziskus am Ground Zero, katholische
Präsidentschaftskandidaten drängen ins Bild: Amerika liebt den Papst
als Superstar. Und doch ist nicht alles gut für den Heiligen Vater in
»Gods own country«. Franziskus nimmt sich zehn Tage Zeit für Kuba und
für die USA. Und das ist auch nötig. Denn neben den
Massengottesdiensten auf dem Platz der Revolution in Havanna und im
New Yorker Madison Square Garden muss der oberste Hirte der
katholischen Weltkirche möglichst viele verlorene Söhne und Töchter
ins Gebet nehmen. Der Erfolg bleibt fraglich, nicht nur weil Fidel
Castro unbekehrbar ist. In den USA halten Republikaner und
Evangelikale den Argentinier sowieso für einen verkappten Marxisten.
Die Klimakatastrophe ist ihnen so fremd wie die katholische
Soziallehre. Kapitalismuskritik aus der Perspektive Jesu verstehen
sie nicht. Dabei sind Roms Verbote von Homo-Ehe und Abtreibung der
religiösen Rechten eigentlich sympathisch. Genau an dieser Stelle
hören wiederum die US-Demokraten weg, die mit John F. Kennedy den
ersten Katholiken ins Weiße Haus brachten. Franziskus will den
Weltfrieden, aber er wird mit seiner Rede morgen im US-Kongress kaum
die Renaissance der Kalten Krieger stoppen können. Da ist ihm der
Beifall am Freitag vor den Vereinten Nationen sicherer – allerdings
von viel zu vielen Diplomaten, die für Koffer voll Geld ihr eigenes
Volk verkaufen. Schon der Besuch auf Kuba war überschattet von
Widersprüchen. Nicht die kurzzeitige Festnahme von 50 Dissidenten am
Rande seines Besuchs war der Skandal. Schlimmer wiegt, dass Kardinal
Jaime Ortega von Havanna bestreitet, dass es noch politische
Gefangene auf der Gefängnis-Insel gibt. Er sieht nur gewöhnliche
Kriminelle, leugnet, dass es 2015 so viele kurzfristige Festnahmen
von Bürgerrechtlern gab wie noch nie. Allein im August waren es 768.
Ja, die katholische Kirche hat die Annäherung Kubas an die USA
vermittelt – aber um den Preis der Glaubwürdigkeit. Franziskus kennt
die Zusammenhänge und weiß um die Wirkungslosigkeit früherer
Papstbesuche. Aus falscher Rücksichtnahme hat er den mutigen »Damen
in Weiß« einen Korb gegeben. Dieses unwürdige Spiel wird
weitergehen. Castros Geheimdienst macht Druck auf Oppositionelle. Und
in den USA nehmen die Obama-Gegner im Kongress den Ball auf, indem
sie anhaltende Menschenrechtsverletzungen lauthals beklagen. Die
schwindsüchtigen 35 Bistümer in den USA hoffen indes auf
Rückenstärkung aus Rom. Missbrauchsskandal, geschlossene Schulen und
Kirchen sowie Reformverweigerer machen schwer zu schaffen. Die
Heiligsprechung eines Missionars aus Mexiko begeistert die
US-Latinos, aber nicht die Etablierten im Norden. Auch Franziskus hat
in den USA nur begrenzte Möglichkeiten.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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