Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Sklavenhaltung in Europa

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Billiglöhne sind schlimm genug. Aber das, was
die Experten der EU-Grundwerteagentur zusammengetragen haben, fällt
eindeutig unter die Rubrik »kriminell«. Mitten in Europa werden
Menschen als Sklaven gehalten, werden nahezu alle Schutzstandards,
die selbstverständlich sein sollten, rüde gebrochen.

Aber der eigentliche Skandal ist die Erkenntnis, dass es offenbar
nur unklare Zuständigkeiten der Behörden gibt, so dass Freiräume
entstehen, die Unternehmen ausnutzen, um im Wettbewerb die Nase vorne
zu haben. Dass der Verbraucher auf der ständigen Jagd nach
Minipreisen diese Ausbeutung unterstützt, kann man wissen. Das Papier
der EU-Agentur muss uns aufrütteln. Vor allem aber: Es darf nicht
ohne Konsequenzen bleiben. Für die meisten Verstöße gibt es längst
geltende Gesetze, deren Einhaltung man prüfen kann. Aber tatsächlich
bedarf es wohl noch einem weit größeren Maß an europäischer
Zusammenarbeit, um das Netzwerk aus Menschenhändlern, Schleusern und
Opfern aufzudecken und zu enttarnen. Das ist keine Sache, die in
Brüssel initiiert und gelöst werden muss. Die Kontrolle des
Arbeitsmarkts gehört in die Verantwortung der Mitgliedstaaten. Sie
können es angehen, wenn sie nur wollen.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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