Westfalen-Blatt: zum Sonntagseinkauf

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Wenn an diesem Sonntag in Detmold mit
»Rigoletto« eine der großen Verdi-Opern zur Aufführung kommt, dann
ist das nicht nur für die Musiker, Sänger und den Regisseur, sondern
auch für die Garderobiere, den Kartenverkäufer, den Busfahrer, der
die Besucher zum Landestheater bringt, die Polizei und Feuerwehr, die
sie beschützt, und den Journalisten, der darüber berichtet, ein
Arbeitstag. Heim- und Pflegedienste, Kliniken, Hotels, Restaurants,
Tankstellen und natürlich die Priester und Küster in den Kirchen
kennen schon lange keinen freien Sonntag. Ausgerechnet der Handel
soll davon ausgenommen bleiben. Dafür inszeniert die Gewerkschaft,
die sich den Namen des großen italienischen Komponisten zugelegt hat,
ein Drama nach dem anderen. Ein schräges Ladenschlussgesetz liefert
ihr in NRW das Material. Angeblich geht es darum, den Sonntag als
Familientag zu schützen. Einkaufen, so die Argumentation von Verdi &
Co., könnten die Menschen an den anderen sechs Wochentagen. Das ist
richtig. Sie können es sogar darüber hinaus auch am siebten Tag – im
Internet. Verdi ist sich offenbar nicht im Klaren darüber, wen ihre
Kampagne – um nichts anderes handelt es sich bei der gerichtlichen
Klagewelle – unterstützt: die Amazons und Zalandos, die ihren
Mitarbeitern teilweise nicht einmal den auch nicht sehr hohen
Verkäuferlohn gönnen. Im Internet gibt es nämlich keine
Ladenschlusszeit. Keiner kann den Couchsurfern verbieten, dass sie
sich ihre Einkaufswünsche im Internet erfüllen. Doch warum soll man
die Onliner, deren Transporter die Straßen verstopfen, noch fördern?
Die Befürworter des Sonntagseinkaufs fordern kein Biotop für den
Handel, sondern nur Waffengleichheit. Dafür gibt es gute Gründe. Wenn
sich der Handel aus der City zurückzieht, weil es sich nicht mehr
rentiert, ist das der Anfang. Die Gastronomie wird das zweite Opfer
sein, Kultur das dritte. Will Verdi das? Die Gewerkschaft
berücksichtigt nicht einmal die Interessen ihrer Mitglieder. In der
Praxis haben die Händler eher das »Problem«, dass sie mehr Menschen
am Sonntag beschäftigen könnten, als sie brauchen – so attraktiv sind
die finanziellen Aufschläge für fünf Stunden Arbeit bei einem
zusätzlichen Ausgleichstag in der Woche. Verdi aber besteht auf einem
Prinzip – auf der Einhaltung einer gesetzlichen Bestimmung, die sich
überlebt hat. Man muss sich vor Augen halten: Es geht um höchstens
vier von 52 Sonntagen. Die Reaktion der Paderborner Kaufleute auf die
Einsprüche war spontan und heftig. Zum Schutz der Märkte, die nicht
unmittelbar im Zentrum liegen, werden alle verkaufsoffenen Sonntage
abgesetzt – sogar zu Libori, sogar im Advent. Und Verdi legt, statt
mal innezuhalten, gleich nach. Es scheint, als gäbe es nur eine
Lösung: ein neues Gesetz, das die Zwangskoppelung an
Großveranstaltungen aufhebt, ganz schnell nach der NRW-Wahl.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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