Westfalen-Blatt: zum Streit um den Sonntagseinkauf

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Es ist unfassbar, wie die Gewerkschaft Verdi
derzeit den Einzelhandel in Aufruhr versetzt. Sie nutzt die schwammig
formulierte Gesetzeslage in NRW schamlos aus, um mit gerichtlicher
Unterstützung einen verkaufsoffenen Sonntag nach dem anderen kippen
zu lassen. Und das alles nur, weil die Kraft-Regierung in Düsseldorf
es versäumt hat, klar zu definieren, wann ein verkaufsoffene Sonntag
berechtigt ist. Und so stellt sich nun allerorts die Frage: Welches
Stadtfest reicht aus, um auch sonntags die Geschäfte öffnen zu
dürfen? Der Einsatz von Verdi ist vor allem auch deswegen unfassbar,
weil die Gewerkschaft mit ihrem Vorgehen gegen die Interessen der
eigenen Mitglieder agiert. Wer dem Handel lukrative Einnahmequellen
trocken legt, darf sich nicht wundern, dass das auch Auswirkungen auf
die Belegschaft hat. Ob Bielefeld oder Gütersloh, Paderborn oder
Herford: Die in der Regel vier verkaufsoffenen Sonntage sind für die
OWL-Metropolen mehr als nur ein gutes Geschäft für den Handel und die
Gastronomie. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings.
Die Städte tun viel, um dem Handel eine attraktive Plattform zu
bieten. Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das hervorragend
funktioniert. Daher sind die Kommunen gut beraten, sich von Verdi
nicht einschüchtern zu lassen – auch wenn sie Gefahr laufen, verklagt
zu werden und vor Gericht zu unterliegen. Gegen inzwischen nur noch
vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr, die von den Kommunen per
Ratsbeschluss festgelegt werden, kann niemand etwas haben. Die
Beschäftigten arbeiten freiwillig fünf Stunden an einem Nachmittag,
an dem gut gelaunte Kunden durch die Geschäfte flanieren und bereit
sind, Geld auszugeben. Nicht zuletzt gibt es für die Mitarbeiter
Sonntagszuschläge, die die Firmen ihnen bezahlen. Der Einzelhandel
lebt von klingenden Kassen und nicht von geschlossenen Türen. Amazon
und Co. haben immer geöffnet – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Das
will und kann der Handel nicht. Warum sollten ihm daher bei der
ohnehin stark limitierten Zahl der Sonntage unnötige Fesseln angelegt
werden? Verdi sieht das anders. Stellt sich also die Frage: Cui
bono: Wem nutzt der Vorstoß der Gewerkschaft wirklich? Die Antwort
liegt auf der Hand: Nur der Gewerkschaft selbst! Verdi meint
offenbar, auf diese Weise Stärke demonstrieren zu können. Faktisch
sägt sie aber an dem Ast, auf dem ihre Mitglieder im Einzelhandel
sitzen. Der Streit um die Sonderöffnungen muss endgültig beigelegt
werden, vor allem, weil die vier Sonntage längst geübte Praxis sind
und die Kirchen sie mittragen. Wieder einmal liegt der schwarze Peter
in Düsseldorf. Dort muss nun gehandelt werden – schnell, aber diesmal
gründlich. Es gilt, den regulatorischen Irrsinn zu stoppen. Und das
am besten noch vor der Wahl.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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