Westfalenpost: Andreas Thiemann zur Debatte um assistierte Selbsttötung

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Die vermeintlichen Nachdenker im Elfenbeinturm
präsentieren sich als wertvolle Vordenker unserer Gesellschaft: Mit
ihrer Publikation zum Thema der assistierten Selbsttötung haben die
beiden Hagener Fernuni-Wissenschaftler so etwas wie eine
Pflichtlektüre für Politiker verfasst. Jedenfalls zumindest für all
jene, die sich mit dem Problem der Sterbehilfe gewissenhaft
auseinandersetzen. Aber natürlich ist diese Textsammlung auch für
jeden anderen eine intellektuelle Bereicherung, also eine echte
Chance, die eigene Einsichtsfähigkeit und den Gedankenhorizont zu
erweitern.

Folgt man den vorgestellten Argumenten, dann geht es bei der
Sterbehilfe-Diskussion um nichts weniger als unser künftiges
Zusammenleben. Mit einem Ja zur assistierten Selbsttötung steht die
Würde des Menschen im gesellschaftlichen Kontext auf dem Spiel – also
genau andersherum als es uns die Befürworter immer vollmundig schön
reden wollen. Darüber hinaus rückt auch der Berufsethos der Mediziner
existenziell in den Fokus. Aus der tradierten und vereidigten Pflicht
zu heilen und zu lindern wird die normierte Aufgabe zu töten. Auf
Verlangen des Einzelnen, aber auch auf Druck einer unbarmherzigen
Gemeinschaft, die sich mehr und mehr an purer Leistung und immer
weniger an Mitmenschlichkeit orientiert.

Es ist das Verdienst der Hagener Geisteswissenschaftler, dass sie
in philosophischer Schärfe zentrale Begriffe wie Würde und Autonomie
in einen korrigierten Zusammenhang mit der Sterbehilfe definieren und
damit ihre vielfach falsch verstandenen Bedeutungsursprünge in den
richtigen und entsprechend erhellenden Kontext gesetzt haben.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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