Westfalenpost: Dirk Hautkapp zum Massaker in Charleston

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Es ist immer das gleiche frustrierende Schauspiel,
wenn die Mensch gewordene Entmenschlichung in Amerika Schockwellen
der Ohnmacht übers Land treibt. Weil die sträflich leichte
Verfügbarkeit von Waffen wieder einmal den Tod unschuldiger Menschen
begünstigt hat. Politik und Gesellschaft streuen sich gegenseitig
Sand in die Augen. Danach geht–s weiter im Text. Bis zum nächsten
Massaker. Und nirgends sind Selbstheilungskräfte in Sicht, die
Hoffnung geben. Dass sich Dylann Storm Roof die Emanuel African
Methodist Episcopal Church ausgesucht hat, ist kein Zufall.
Ausgerechnet unter dem ersten schwarzen Präsidenten Obama hat das
politische Klima in den USA einen bedenklichen Grad der Giftigkeit
erreicht. 50 Jahre nach Martin Luther King brechen weiße Gefühle von
moralischer, religiöser und kultureller Überlegenheit durch den
Firnis von verordneter Gleichheit. >Das Modell Einzelgänger, der die
Dinge gegen das als totalitär empfundene Washington in die eigenen
Hände nimmt, macht Schule. Es handelt sich um wandelnde Zeitbomben.
Seit den Anschlägen vom 11. September haben die USA ihre Kraft auf
die Abwehr der Gefahr durch den radikal-islamistischen Terrorismus
gelenkt. Experten weisen aber seit langem darauf hin, dass diese
Blickverengung das Land, seine Sicherheitsapparate und die
Bevölkerung unempfindlich gemacht hat für eine weitaus größere
Gefahr: den Terror von innen. Extremisten und
Verschwörungstheoretiker, die gegen Schwarze, Juden, ethnische
Minderheiten, Schwule oder den Staat an sich schießen, stellen eine
Kategorie dar, die in der öffentlichen Diskussion unterbelichtet ist.
Der nächste Dylann macht sich schon bereit.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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