Westfalenpost: Es fehlt die Substanz Von Harald Ries

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Es ist gerade mal ein Jahr her, da zogen die Piraten
mit acht Prozent der Stimmen in den NRW-Landtag ein. Ein Erfolg bei
der nächsten Bundestagswahl schien damals so selbstverständlich wie
heute unrealistisch. Das lässt vermuten, dass in der Zwischenzeit
etwas Dramatisches geschehen ist. Aber dem ist nicht so. Und genau
darin besteht das größte Problem der Netzpartei.

Ständige stillose und persönliche Streitereien wirken
abschreckend. Und mit der AfD steht eine neue, wenn auch ganz anders
geartete Protestpartei bereit. Doch entscheidender ist die fehlende
Entwicklung. Unprofessionalität hat nur eine Zeit lang Charme.
Transparenz, Internet und Datenschutz sind als allein geistige
Grundlage zu dürftig. Zwar gibt es inzwischen auch Positionierungen
auf anderen Feldern, aber die wirken flach und beliebig, mainstreamig
linksliberal. Und des Themas Bürgerbeteiligung haben sich die anderen
Parteien nach dem Piraten-Schock auch angenommen.

Die Grünen haben nicht gelitten, als die Konkurrenz die Umwelt
entdeckte. Weil sie ökologische Grundsätze auf weitere
Politikbereiche anwandten. Und weil sie die Chance hatten, langsam zu
wachsen. Die Piraten dagegen wurden medial in die Höhe geblasen,
bevor sie das Fliegen lernen konnten. Deshalb wird auch der
derzeitige Parteitag den Absturz nicht verhindern können.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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