Westfalenpost: Fotografierverbot an der Ostsee

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Früher war alles besser. Wenigstens beim
Fotografieren. Jede Aufnahme mit dem analogen Film, 24 oder 36 Bilder
pro Rolle, wollte gut überlegt sein. Und was ist heute? Im Zeitalter
der Digitalfotografie? Die Menschen leiden unter starker Knipseritis.
Und um alle an ihrer Krankheit teilhaben zu lassen, versenden sie
ihre Viren in alle Welt. Alles ist Motiv. Warum? Weil wir es können,
weil es so leicht ist, weil es ansteckend ist. Um den täglich neuen
Foto-Müll schert sich niemand. Warum auch? Wir ertrinken ja eh in
der Flut nichtssagender Bilder. Und jetzt kommt Boltenhagen. Eine
Perle an der Ostsee. Hier erkennt die Kurverwaltung die Beliebigkeit
dieser Entwicklung und sagt: Schluss damit. Fotografieren verboten.
Niemand soll seine Eindrücke vom vier Kilometer langen Sandstrand
allein der Kamera überlassen. Vielmehr soll jeder die Natur mit
seinen eigenen Augen tanken. Schließlich ist es die Seele, die
frohlockt, wenn sich die Wellen kräuseln und sich der Blick in der
Weite des Horizonts verliert. Momente für die Ewigkeit. Falsch. In
Boltenhagen darf niemand ungefragt jemanden an der Ostsee
fotografieren. Wie banal. Doch keine Philosophie dahinter. Und jetzt?
Erst einmal ein Foto vom Schild verschicken. Bitte recht freundlich.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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