Westfalenpost: Gestalt im Halbschatten / Kommentar von Elmar Redemann zu den Ermittlungen gegen Franz Beckenbauer

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Nun drohen Franz Beckenbauer auch strafrechtliche
Konsequenzen. Weil die dubiosen Geldbewegungen vor der Vergabe der WM
2006 über Schweizer Konten abgewickelt wurden, hat die dortige
Bundesanwaltschaft ein zivilrechtliches Verfahren gegen den damaligen
OK-Chef eingeleitet. Gut so!

Der Fußball-Kaiser hat vor Gericht keinerlei Sonderbehandlung
verdient. Was selbstverständlich klingt, könnte unter
Sportfunktionären auch anders gesehen werden. Welches
Rechtsverständnis in den Führungszirkeln der großen Verbände
herrscht, zeigte ja unter anderem der inkonsequente Umgang des IOC
mit Russland im Dopingskandal. Was das mit Beckenbauer zu tun hat?
Einiges. Denn im Sport hatte und hat es Methode, dass die Mächtigen
an sich selbst ganz eigene Maßstäbe anlegen und sich gelassen über
sonst allgemeingültige Regeln hinweg setzen.

Bei der sogenannten Lichtgestalt Beckenbauer kommt noch hinzu,
dass ihm wegen seiner besonderen Verdienste von Teilen der
Öffentlichkeit oft mildernde Umstände zugesprochen, bisweilen sogar
eine Generalabsolution erteilt wurde. Doch das ist längst vorbei,
egal wie das Urteil ausfällt. Nur sportlich gesehen mag Beckenbauer
noch im Licht stehen, moralisch wird es um ihn immer dunkler.

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