Westfalenpost: Harald Ries zum Wurst-Streit: Die Warnerei-Krankheit

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Nachdem sich Wurstfreunde, Schinkenfans und
Fleischvermarkter genügend empört haben, korrigiert sich die WHO. Sie
sagt nun nicht mehr, der regelmäßige Konsum von verarbeitetem Fleisch
könne das Darmkrebs-Risiko erhöhen, sondern nur noch, ein geringerer
Verzehr könne das Krebsrisiko vermindern. Das ist natürlich dasselbe,
klingt aber harmloser. Dabei sind die 800 ausgewerteten Studien nicht
neu. Die Problematik von Nitritpökelsalz etwa ist seit Jahrzehnten
bekannt. Für andere Warnungen sprechen Wahrscheinlichkeiten.
Beweiskräftig sind allerdings die wenigsten Untersuchungen. Das liegt
daran, dass beim Vergleich von Speckvöllern und Fleischmeidern noch
viele andere Ernährungsgewohnheiten mitspielen, die sich nicht
einfach herausrechnen lassen. Und Labortests über Jahrzehnte sind
schwierig. Erstaunlicherweise machen sich dennoch 24 Prozent der
Frauen und 16 Prozent der Männer in Deutschland Sorgen wegen der
WHO-Einschätzung. Das kann hilfreich sein, wenn mehr Bewusstsein für
gutes Essen, den eigenen Körper und Tierwohl entsteht. Ein ständig
schlechtes Gewissen, das Gefühl, unmöglich allen Ansprüchen genügen
zu können, macht aber auch krank. Zu Schäden der ausufernden Warnerei
läse man auch mal gerne eine Studie.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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