Westfalenpost: Im Markt angekommen / Kommentar von Stefan Pohl zur Talfahrt der Milchpreise und den Folgen

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Nichts wäre fataler, als bei der Betrachtung der
Milchpreise in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen: Hier die Guten –
bäuerliche Familienbetriebe, die nur noch mit Mühe und Not ihr
Überleben sichern – und dort der böse Lebensmitteleinzelhandel, der
die Preisschraube immer weiter dreht, um der Konkurrenz eins
auszuwischen. Das wäre zu einfach. Schließlich hat es zuvor auch
lange Phasen auskömmlicher Erzeugerpreise gegeben.

Die deutschen Milchviehhalter sind nach dem Ende der Milchquote
und der absehbaren Überproduktion dort angekommen, wo sie immer hin
wollten. Im Markt. Bei Angebot und Nachfrage. Und das bedeutet in
diesem Fall: im Weltmarkt mit seinen zahllosen Unwägbarkeiten. Und
mit denen gilt es nun fertig zu werden.

Die Bauernverbände tun gut daran, sich nicht allzu lautstark zu
beklagen und Milliarden zu fordern, auch wenn die Situation für viele
Landwirte bedrückend ist. Die deutsche Regierung reagiert auf Druck
von der Straße längst nicht so sensibel wie etwa die französische.

Sie kann anders helfen. Steuerlich etwa. Was spräche dagegen,
schlechte Jahre durch gute ausgleichen und Steuerforderungen schieben
zu können? Der Hinweis, der Markt werde es schon richten, greift zu
kurz.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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