Westfalenpost: KeineÜberraschung Von Martin Korte

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Hinterher ist man immer schlauer. Das gilt
insbesondere an der Börse. Wüssten wir den richtigen Zeitpunkt für
den Einstieg in Aktiengeschäfte (in diesem Fall besser: Ausstieg),
dann wären wir alle reich. Achtung Binse: Die Börse ist keine
Einbahnstraße. Dass die kommunalen Anteilseigner nun aus allen Wolken
fallen, weil RWE die Dividende streichen will, verwundert trotzdem
ein bisschen. Denn dem Konzern geht es schon lange schlecht, weil er
auf die Energiewende falsch reagiert hat. Der Plan des Vorstands, auf
die Auszahlung zu verzichten, erinnert nun an den berühmten Griff
nach dem Strohhalm. Aber man durfte ihn erwarten. In den vergangenen
Jahrzehnten haben Städte und Kreise mit ihren RWE-Anteilen dicke
Gewinne eingefahren, so ganz falsch war die Beteiligung also nicht;
sie hat ja auch historische Gründe. Nun vergrößern sich die
Haushaltslöcher. Warum haben sie sich nicht längst von den Anteilen
getrennt, zum Beispiel, als eine Aktie 100 Euro kostete? Schwer zu
sagen. Vielleicht haben die Kommunen auf Besserung gehofft. Auf der
anderen Seite ist es offenbar gar nicht so leicht, die Papiere
kurzfristig loszuwerden, weil sie in Beteiligungsgesellschaften
geparkt sind, die komplizierte Entscheidungswege verlangen. Dass RWE
seine Entscheidung im Vorfeld nicht mit den Anteilseignern
abgesprochen hat, deutet an, wie sehr dem Konzern das Wasser bis zum
Hals steht. Das ist schlechter Stil. Die Kommunen, die zusammen etwa
ein Viertel der Anteile besitzen, wollen die Pläne auf der
Hauptversammlung kippen. Sollten sie sich damit durchsetzen, wäre die
Überraschung ungefähr so groß wie gestern nach der
Dividenden-Meldung. Und wohl das Ende für RWE-Chef Terium.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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