Westfalenpost: Martin Korte zu den britischen Wünschen an die EU: Das Ende des Entgegenkommens?

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Ohne Kompromisse hat die Europäische Union keine
Zukunft. Sie ist ein Kompromiss. Deswegen sind die Aussichten,
Großbritannien in der Gemeinschaft zu halten, derzeit nicht gerade
rosig – bei allem guten Willen der Kontinentaleuropäer. Denn die
Wunschliste von David Cameron rüttelt zumindest in einem Punkt an
einem Grundpfeiler der EU: Der Premier will Nicht-Briten aus Europa
in seinem Land bei den Sozialleistungen benachteiligen – und das geht
gar nicht. In der EU müssen alle gleich sein. Gut, jetzt ziehen wir
mal das Verhandlungsgetöse ab, mit dem Cameron bei seinem
Europa-kritischen Volk Eindruck schinden will: Aber Entgegenkommen
sieht anders aus. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Großbritannien
schon jetzt einen Sonderstatus genießt. Die EU steckt in der Klemme.
Sie weiß, dass sie ohne Großbritannien nicht mehr viel wert ist, aber
sie darf sich auch nicht erpressen lassen. Wo kämen wir hin, wenn wir
uns den Verbleib der Insel in der Gemeinschaft mit fundamentalen
Zugeständnissen erkaufen würden? Andere Nationen, vor allem im Osten
und im Süden, würden das sicherlich als Einladung verstehen, mit
Sonderwünschen nachzuziehen. Und wo endet das Ganze?
Selbstverständlich doch mit einem Kompromiss. Wahrscheinlich aber mit
einem faulen. Die EU wird den Briten entgegenkommen. Das Vertragswerk
werden Diplomaten und Bürokraten in Brüssel so filigran ziselieren,
dass es der normale Bürger nicht mehr versteht, Cameron und die
anderen Briten aber ihr Gesicht als „Sonder-Europäer“ wahren können.
Das alles stärkt auf Dauer die Gemeinschaft nicht. Langsam, aber
sicher bröselt sie auseinander.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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