Westfalenpost: Martin Korte zum Armutsbericht

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Jedes Jahr die gleiche Diskussion: Immer wenn der
Paritätische Wohlfahrtsverband seinen Armutsbericht vorlegt, monieren
die Kritiker die mutmaßliche statistische Ungenauigkeit der
Erhebungen – und ziehen sie damit gleich grundsätzlich in Zweifel.
Mag sein, dass der Bericht Schwächen hat, zum Beispiel bei der
Berücksichtigung der regionalen Kaufkraft: In Brandenburg lässt sich
mit 890 Euro im Monat sicher besser leben als in München. Unter dem
Strich ist das egal. Denn unbestritten ist, dass in Deutschland die
Schere zwischen Arm und Reich tatsächlich immer weiter
auseinandergeht. Zu verdanken haben wir das Politikern, die den
Spitzensteuersatz gesenkt haben und gleichzeitig dafür verantwortlich
sind, dass viele Menschen von einem Job allein nicht mehr leben
können. Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Zahl der Armen in
Deutschland weiter steigen wird, weil in die Risikogruppen neben
Alleinerziehenden und kinderreichen Familien vor allem Menschen mit
Migrationshintergrund fallen. Der Bericht legt also den Finger in die
Wunde und mahnt Maßnahmen an. Wie wäre es zum Beispiel, den aktuellen
Staats-Überschuss gezielt in diese Richtung zu investieren.
Steuererleichterungen helfen Armen nicht. Passieren wird das wohl
wieder nicht. Armut und die wachsenden sozialen Unterschiede werden
schulterzuckend hingenommen, das ist der eigentliche Skandal. Richtig
arm ist laut Weltbank übrigens, wer weniger als umgerechnet einen
Euro pro Tag zur Verfügung hat. So gesehen sind wir alle steinreich.
Das soll nicht die wichtige und richtige Botschaft des
Armutsberichtes und die notwendigen Konsequenzen in Frage stellen.
Das soll nur die Verhältnisse gerade rücken.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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