Westfalenpost: Martin Korte zur politischen Auseinandersetzung

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Neulich schrieb uns ein Leser, der mit einem Text in
der Zeitung nicht einverstanden war, wir sollten Herrn M. Korte doch
bitteschön „entsorgen“. Wie ein Stück Abfall. Der Ton wird schärfer.
Politiker werden mit Hass-Mails überschüttet, erhalten Morddrohungen
und müssen üble Beleidigungen über sich ergehen lassen. „Entsorgen“
ist harmlos, aber mit der Sprache fängt es an. Der politische Diskurs
hat eine Qualität erreicht, die ein Innehalten, ein Nachdenken über
die Konsequenzen des Handelns aller Beteiligten dringend erforderlich
macht. Die Ursachen für die zunehmende Verrohung sind vielfältig:
Politiker und Medien stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise –
insbesondere bei Fragen der Integration. Die Bürger haben Angst, weil
sie viele Probleme für unlösbar halten. Hetzer jeglicher Couleur
nutzen die Anonymität des Internets, um ihre Parolen weitgehend
risikofrei verbreiten zu können. Wir erleben eine neue Kultur des
Beleidigens. Noch ist nicht geklärt, ob der Mord an der englischen
Abgeordneten Jo Cox ein politisch motivierter Anschlag war.
(Psychisch gestört ist der Täter, der mit unbeschreiblicher
Brutalität vorging, auf jeden Fall.) Aber dass ein Klima der
menschenverachtenden Konfrontation eine solche Tat fördert, steht
außer Frage. Cox setzte sich für den Verbleib ihres Landes in der
Europäischen Union und für einen fairen Umgang mit Flüchtlingen ein.
Nationalismus und Migration sind Themen, die nicht nur in
Großbritannien die Gesellschaft polarisieren, wie der Fall Reker
zeigt. Politiker, Journalisten, Bürger – alle müssen ihr Verhalten
überprüfen. Ohne ein zivilisiertes Miteinander haben wir keine
Zukunft.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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