Westfalenpost: Nina Grunsky zur Sinus-Jugendstudie

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Mal sind die Haare der Mädchen zu kurz, dann die der
Jungen zu lang. Mal sind die Kleider zu wallend, mal die Tops zu
knapp. Mal ärgert die Null-Bock-Haltung, mal die engagierte
Protestbewegung. Das Jammern über die Jugend – das ist, zugegeben, so
alt wie die Menschheit. Diesmal allerdings gibt es wirklich Grund
dafür. Den Eindruck gewinnt zumindest, wer die neue
Sinus-Jugendstudie liest. Freiheit, Aufklärung, Toleranz – ein
gemeinsamer Wertekanon wie dieser ist eigentlich ein sicheres
Fundament der Gesellschaft. Wenn aber 14- bis 17-Jährige nicht
auffallen wollen, Mainstream für ein Kompliment halten und so sein
möchten wie alle, dann mag das auf den ersten Blick für die Älteren
ganz bequem erscheinen, muss aber den Erwachsenen große Sorgen
bereiten. Die Jugendlichen mögen ihre Gründe dafür haben: Die Sorge
vor Terror, Globalisierung, Wirtschaftskrisen. Wenn sie aber nichts
anders machen möchten als die Mehrheit, woher sollen dann neue Ideen
kommen für innovative Unternehmen? Wie will man ausgetretene Pfade
verlassen, um bessere Wege in die Zukunft zu entdecken? Wie wollen
wir dann die großen Herausforderungen – wie den demografischen Wandel
– meistern, wenn die Querdenker aussterben? Wie sollen große
politische Krisen bewältigt werden, wenn keine mutigen Politiker mit
Standpunkt mehr nachwachsen? Aber vielleicht machen es die Älteren
der Jugend von heute auch nicht immer leicht, sich abzugrenzen.
Womöglich zeigen auch sie manchmal – privat wie in der Politik – zu
wenig Haltung und zu wenig Überzeugungen, mit der sich die Jugend
auseinandersetzen, an der sie sich reiben kann.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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