Westfalenpost: Persönlichkeiten und Haltung entscheiden Wahlen Von Torsten Berninghaus

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Für die im Bundestag etablierten Parteien war es ein
bitterer Abend. Sie sind gut beraten, die Ergebnisse dieses
Super-Wahlsonntags sehr ernst zu nehmen. Die CDU hat jetzt mit der
AfD einen populistischen Gegner rechts von sich sitzen. Dem grünen
Spitzenkandidaten gelingt im Ländle zwar Historisches, das aber kann
die gesamte Partei nicht von sich sagen. Und obwohl Malu Dreyer die
Ehre der SPD rettet, schrumpfen die Sozialdemokraten andernorts
dramatisch. Die drei Landtagswahlen sind ein schmerzhafter
Denkzettel. Unabhängig davon scheint Haltung eine zentrale Botschaft
der Wähler zu sein. Denn sowohl in Baden-Württemberg als auch in
Rheinland-Pfalz waren die CDU-Spitzenkandidaten in der
Flüchtlingsfrage von Angela Merkel abgerückt. Das ist beiden nicht
gut bekommen, zumal sich vor allem Winfried Kretschmann in dieser
Frage geradezu als Fan der Kanzlerin positionierte. Und zwar aus
Überzeugung, wie er betont. Angesichts der Ergebnisse ist es nicht
einfach, Schlüsse auf den Kurs von Angela Merkel in der
Flüchtlingsfrage zu ziehen. Klar ist, dass die Kanzlerin sich treu
geblieben ist und zuletzt bessere Zustimmungswerte bekommen hat. Dies
ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Haltung honoriert wird. Die
Lektionen des Sonntags lauten: Schlingerkurse zahlen sich nicht aus,
Persönlichkeiten entscheiden Wahlen, die Parlamentsarbeit wird
schwieriger und um die anstehenden Koalitionsgespräche sind die
Amtsinhaber nicht zu beneiden. Zentral aber ist, dass die etablierten
Parteien sich mehr denn je Gedanken darüber machen müssen, wie sie
ihre Wählerschaft erreichen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung
mit den Themen der AfD.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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