Westfalenpost: Stefan Pohl zum Tarifkonflikt bei der Deutschen Post

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Da macht es sich Bundeswirtschaftsminister Gabriel
wohl etwas einfach. Großunternehmen mit Bundesbeteiligung hätten
persönliche und kollektive Arbeitnehmerrechte zu achten, soll er
Post-Chef Appel geschrieben haben. Wohl wahr! Und nicht nur
Großunternehmen. Sondern auch die vielen kleinen Betriebe in
Deutschland, die zum Teil ohne Arbeitnehmervertretungen auskommen
müssen.

Niemand wünscht sich eine Bundespost zurück. Aber
in der Privatisierungseuphorie der neunziger Jahre ist so manche
Konsequenz nicht genügend bedacht worden. Die jetzt auf einem freien
Markt agierenden Post-Nachfolgeunternehmen müssen sich im Wettbewerb
gegen internationale Konkurrenz behaupten, richten ihre Preise, Löhne
und Arbeitsbedingungen entsprechend aus. Und sie müssen damit
rechnen, dass Arbeitnehmer, die zuvor Beamte ohne Streikrecht waren,
für ihre Forderungen auf die Straße gehen. Wenn das sogar befristet
Beschäftigte tun, muss die Wut über vorangegangene Verschlechterungen
sehr groß sein. Manche nehmen sich womöglich auch ein Beispiel an den
Lokführern. Natürlich macht das Vorgesetzte, die wiederum Vorgesetzte
haben, nervös. Das soll jedoch keinerlei Rechtfertigung sein für die
behaupteten Drangsalierungen Streikwilliger. Das Problem: Es gibt nur
selten beweisbare und verwertbare Aussagen. Was dem einen eine
freundlich gemeinte Aufforderung ist, gilt dem anderen schon als
finstere Drohung. Manchmal liegt die Wahrheit in der Mitte. Dass das
Rufschädigung sein soll, ist nicht einzusehen. Die Deutsche Post
agiert wie ein ganz normales Unternehmen unter Druck. Genau das
sollte sie ja auch werden.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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