Westfalenpost: Zum Brandanschlag von Altena: Ein klares Zeichen des Rechtsstaats

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Keiner aus dem Umfeld hat den Angeklagten aus Altena
einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim zugetraut. Es waren, so
schien es, Täter aus der Mitte der Gesellschaft am Werk, die aus
purer Angst vor fremden Neubürgern gehandelt haben wollen. Der
Prozess vor dem Landgericht Hagen hat gezeigt, dass man es sich mit
dieser Sichtweise, mit der These von den Biedermännern, die zu
Brandstiftern wurden, zu einfach macht. Das Hagener Schwurgericht hat
– auch wenn es keinen Tötungsvorsatz erkannte – ein klares Zeichen
gesetzt: Der Rechtsstaat kann keine fremdenfeindlichen Angriffe auf
wehrlose Menschen dulden, die vor der Gewalt in ihrer Heimat
geflüchtet sind. In Zusammenhang mit dem Altena-Prozess muss auch die
Rolle von sozialen Netzwerken kritisch hinterfragt werden. Der
Historiker Wolfgang Benz hat zurecht die Gefahr einer
„Selbstradikalisierung“ beschrieben. Wenn bei Facebook, Whatsapp & Co
ein fremdenfeindliches, menschenverachtendes Denken gepflegt und
verbreitet werden kann, kann das verbale Hochschaukeln schnell in
Gewalt umschlagen. Es darf nicht sein, dass die Verbreitung von
Videos und Bildern, die die NS-Zeit verherrlichen und sich über
Flüchtlinge, Behinderte und Frauen lustig machen, „üblich“ in der
Alltagskommunikation geworden ist – so wie es Zeugen im Prozess
dargestellt haben. Gedankenlosigkeit, Dummheit und
Verantwortungslosigkeit dürfen nicht zum gesellschaftlichen Konsens
werden.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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