Widerstand gegen ein Verbot der Sterbehilfe wächst / Politiker dürfen den Willen der Bevölkerungsmehrheit nicht ignorieren

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80 Prozent der Menschen in Deutschland befürworten ein Recht auf
Letzte Hilfe, doch führende Politiker wie Bundesgesundheitsminister
Hermann Gröhe wollen die Sterbehilfe durch Verbotsgesetze weiter
einschränken. Scharfe Kritik dazu kommt vom Vorsitzenden der
Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer, dem
Medizinethiker Dieter Birnbacher. In einer Stellungnahme, die am
Freitagmorgen im Haus der Bundespressekonferenz vorgestellt wurde,
erklärt Birnbacher, dass „der Versuch, die ohnehin erheblich
eingeengten Möglichkeiten der Sterbehilfe zu beschneiden“, nicht nur
von einer „Geringschätzung des Rechts auf Patientenselbstbestimmung“
zeuge, „sondern auch von mangelnder Fürsorge“.

Birnbacher zählt neben Prominenten wie dem Liedermacher Konstantin
Wecker, den Schriftstellern Ralph Giordano und Fritz J. Raddatz und
den Schauspielerinnen Eva Mattes, Gudrun Landgrebe und Petra Nadolny
zu den Unterstützern der „Kampagne für das Recht auf Letzte Hilfe“,
die seit Wochenbeginn mit Großplakaten in Berlin und Frankfurt auf
sich aufmerksam macht. Im Haus der Bundespressekonferenz stellte der
Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon
heute die Ziele der Kampagne vor. Der Philosoph und Schriftsteller
wies darauf hin, „dass der Widerstand gegen ein Verbot der
Sterbehilfe in der Bevölkerung kontinuierlich wächst“: „Die
Bürgerinnen und Bürger dieses Landes werden es nicht hinnehmen, dass
man ihnen das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende entzieht. Wir
werden unsere Aktionen für das Recht auf Letzte Hilfe solange
fortsetzen, bis das klare Votum der Bevölkerungsmehrheit in der
Politik und Ärzteschaft berücksichtigt wird.“

Auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Humanes
Sterben, Elke Baezner, ließ an den ambitionierten Zielen der Kampagne
keinen Zweifel aufkommen: „Politiker sind vom Volk gewählt und haben
somit „Volkes Stimme“ umzusetzen, anstatt uns zu bevormunden und
unsere individuellen, vom Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte
beschneiden zu wollen. Eine Minderheit von 14 Prozent unserer
Gesellschaft darf sich nicht anmaßen, der Mehrheit vorschreiben zu
wollen, wie, wann und mit welchen Mitteln sie zu sterben hat. Wir
fordern von der Politik „praktizierte Toleranz“, d.h. Wahlfreiheit
für alle Betroffenen. Wir alle haben ein Recht auf Selbstbestimmung
im Leben wie auch im Sterben.“

Anfang der Woche hatte die Kampagne sämtlichen
Bundestagsabgeordneten das Buch „Letzte Hilfe“ des Arztes und
Sterbehelfers Uwe-Christian Arnold zukommen lassen:
„Bedauerlicherweise haben nur die wenigsten Politiker Kenntnis von
den realen Nöten schwerstleidender Patienten“, sagte Arnold heute in
Berlin. „Sie spekulieren wild über die möglichen Konsequenzen der
Sterbehilfe, nehmen aber die empirischen Daten aus Ländern, die
Freitodbegleitungen seit Jahren praktizieren, überhaupt nicht zur
Kenntnis. Tatsächlich nämlich führt die Akzeptanz von
Freitodbegleitungen nicht zur einer Verschlechterung, sondern zu
einer Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung. Und die
Zahl der Verzweiflungssuizide steigt nicht etwa an, sondern geht
zurück. Hier ist Aufklärung dringend erforderlich!“

Diese Meinung vertrat auch der renommierte Jurist und
Rechtsphilosoph Eric Hilgendorf, der den Bundestag bereits mehrfach
in Fragen des Medizinstrafrechts beraten hat. Im Haus der
Bundespressekonferenz führte Hilgendorf aus, dass es unsinnig wäre,
die Sterbehilfe über das Strafgesetzbuch einzuschränken. Die geltende
Rechtslage reiche völlig aus, um Fehlentwicklungen sicher in den
Griff zu bekommen: „Eine Neukriminalisierung von Ärzten ist unnötig
und schadet weit mehr, als sie nützt“, sagte Hilgendorf. „Der
Gesetzgeber sollte den nötigen Respekt vor der Gewissensentscheidung
der Ärzte zeigen.“

Weitere Informationen zur Kampagne unter:
http://www.letzte-hilfe.de

Kontakt:
Wega Wetzel (DGHS), 030/21 22 23 37-22, presse@dghs.de
Elke Held (gbs), presse@giordano-bruno-stiftung.de

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