ZDF-Politbarometer Januar I 2016 / Flüchtlingskrise: Merkel stürzt ab / Mehrheit hält Obergrenze von 200 000 nicht für machbar (FOTO)

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Die Vorfälle an Silvester in Köln und anderen Großstädten haben
Folgen: Erstmals ist eine klare Mehrheit von 60 Prozent (Dez.: 46
Prozent) der Meinung, dass Deutschland die vielen Flüchtlinge, die zu
uns kommen, nicht verkraften kann. Nur noch 37 Prozent (Dez. 51
Prozent) halten das für verkraftbar (Rest zu 100 Prozent hier und im
Folgenden „weiß nicht“). Allerdings hält auch eine fast genauso klare
Mehrheit von 57 Prozent die Forderung von Horst Seehofer nach einer
jährlichen Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen nicht für machbar. 38
Prozent halten eine solche Obergrenze für realisierbar.

Übergriffe an Silvester

Dass diese Vorfälle ihre Einstellungen in der Flüchtlings- und
Asylfrage wesentlich verändert haben, geben 33 Prozent aller
Befragten an, 66 Prozent sagen, dass das keinen wesentlichen Einfluss
auf ihre Meinung hat.

Befürchtungen der Deutschen sind gewachsen

Bei genauerem Nachfragen zeigt sich, dass 74 Prozent (Okt.15: 74
Prozent) aller Befragten meinen, dass wegen der Ausgaben für die
Flüchtlinge in anderen Bereichen gespart werden muss, 25 Prozent
befürchten das nicht. Inzwischen erwarten 70 Prozent (Okt. 15: 62
Prozent), dass durch die große Zahl an Flüchtlingen die Kriminalität
bei uns zunehmen wird, nur noch 27 Prozent sehen das nicht so. Dass
durch die Flüchtlinge unsere gesellschaftlichen und kulturellen Werte
bedroht sind, glaubt eine mittlerweile gewachsene Minderheit (42
Prozent; Okt: 15: 33 Prozent). Gut die Hälfte (52 Prozent) meint das
nicht.

Verschärfung der Abschieberegelungen

Dass die bestehenden Gesetze über die Abschiebung straffällig
gewordener Asylbewerber ausreichen, meinen nur 23 Prozent. 73
Prozent, darunter unterschiedlich starke Mehrheiten in allen
Parteianhänger-Gruppen, sprechen sich für eine Verschärfung aus.

Deutsche nehmen mehrheitlich Fremdenfeindlichkeit bei uns wahr

Die Mehrheit der Deutschen (54 Prozent; Okt.: 51 Prozent) meint,
dass es bei uns eine (sehr) stark verbreitete Fremdenfeindlichkeit
gibt. 44 Prozent (Okt.: 47 Prozent) sagen, dass es in Deutschland
keine so große oder überhaupt keine Fremdenfeindlichkeit gibt.
Anhänger von, Linke, SPD und Grünen nehmen dabei deutlich häufiger
eine Ausländerfeindlichkeit wahr als die der CDU/CSU, AfD oder FDP.

Rückhalt für Angela Merkel geschwunden

Waren im Dezember die Meinungen darüber noch annähernd geteilt, ob
Angela Merkel in der Flüchtlingspolitik einen guten Job macht oder
nicht, so äußert jetzt eine eindeutige Mehrheit ihre Unzufriedenheit:
56 Prozent (Dez.: 49 Prozent) sagen, sie macht in diesem Bereich ihre
Arbeit eher schlecht, und nur noch 39 Prozent (Dez.: 47 Prozent)
geben ein positives Urteil ab.

TOP TEN: Merkel bricht ein

Auch wenn sich fast alle der nach Ansicht der Befragten
wichtigsten zehn Politiker/innen jetzt verschlechtern, fällt das bei
niemandem so stark aus wie bei der Kanzlerin. Auf Platz eins liegt
weiterhin Wolfgang Schäuble. Er erreicht auf der Skala von +5 bis -5
einen Durchschnittswert von 2,0 (Dez.: 2,4), nur noch sehr knapp vor
Frank-Walter Steinmeier mit ebenfalls 2,0 (Dez.: 2,0). Danach folgen
Wolfgang Bosbach mit 1,7 (Dez.: 1,9), Angela Merkel mit nur noch 1,0
(Dez.: 1,7), Gregor Gysi mit 0,7 (Dez.: 0,9), Horst Seehofer als
einziger verbessert auf 0,7 (Dez.: 0,4), Sigmar Gabriel ebenfalls mit
0,7 (Dez.: 0,9), Thomas de Maizière mit 0,5 (Dez.: 0,6) und Peter
Altmaier mit 0,3 (Dez.: 0,6). Neues Schlusslicht ist Ursula von der
Leyen mit 0,3 (Dez.: 0,6).

Projektion: CDU/CSU mit Verlusten, AfD weiter im Aufwind

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die
CDU/CSU nur noch auf 37 Prozent (minus 2), die SPD bliebe bei
unveränderten 24 Prozent, die Linke würde 8 Prozent (minus 1)
erreichen und die Grünen 10 Prozent (unverändert). Die FDP käme auf 5
Prozent (plus 1) und die AfD auf 11 Prozent (plus 2). Die anderen
Parteien erzielten zusammen 5 Prozent (unverändert). Damit würde es
weder für eine Mehrheit von Rot-Rot-Grün noch von Schwarz-Grün
reichen.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der
Zeit vom 12. bis 14. Januar 2016 bei 1203 zufällig ausgewählten
Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ
für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich
beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei
Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/- zwei
Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 34 Prozent,
SPD: 23 Prozent, Linke: 8 Prozent, Grüne: 11 Prozent, FDP: 6 Prozent,
AfD: 13 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am
Freitag, 29. Januar 2016.

Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen
Frageformulierungen: www.forschungsgruppe.de

http://heute.de

http://twitter.com/ZDF

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon:
06131 – 70-16100, und über
https://presseportal.zdf.de/presse/politbarometer

Pressekontakt:
ZDF Presse und Information
Telefon: +49-6131-70-12121

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