ZDF-Politbarometer Juli I 2016 / Nach dem Brexit: Deutsche sehen EU so positiv wie noch nie / Gut jeder Zehnte hat Urlaubspläne wegen Terroranschlägen geändert (FOTO)

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Eine deutliche Mehrheit (70 Prozent) der Deutschen findet es nicht
gut, dass Großbritannien sich für den Austritt aus der EU entschieden
hat (gut: 12 Prozent; egal: 16 Prozent). Bei den deshalb notwendig
werdenden Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen zu
Großbritannien will kaum jemand, dass die EU Großbritannien sehr
entgegenkommt. Sehr große oder große Zugeständnisse an Großbritannien
wollen nur 10 Prozent machen, 49 Prozent sprechen sich für nicht so
große Zugeständnisse aus und 37 Prozent für überhaupt keine (hier und
im Folgenden: Rest zu 100 Prozent jeweils „weiß nicht“).

Vorteile der EU-Mitgliedschaft für die deutsche Bevölkerung

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung und der Diskussion über
den Austritt Großbritanniens aus der EU ist sich die deutsche
Bevölkerung offensichtlich der Vorteile der EU-Mitgliedschaft
wesentlich bewusster geworden: Jetzt sagen 51 Prozent, dass die
Mitgliedschaft in der Europäischen Union alles in allem der deutschen
Bevölkerung eher Vorteile bringt, 37 Prozent meinen, dass sich Vor-
und Nachteile in etwa ausgleichen und nur 10 Prozent gehen von
überwiegenden Nachteilen aus. Das ist der positivste Wert, der in
dieser Frage im Politbarometer (seit 1977) gemessen wurde.

Zukunft der EU

Für die Zukunft der Europäischen Union wäre es 49 Prozent am
liebsten, wenn sich die Mitgliedstaaten künftig enger
zusammenschließen würden. 37 Prozent fänden es besser, wenn die
einzelnen Länder der EU in Zukunft wieder mehr Eigenständigkeit
bekommen würden und 12 Prozent wünschen sich in dieser Frage keine
Veränderungen. Besonders häufig wird ein engerer Zusammenschluss bei
den Anhängern der Grünen (63 Prozent) und denen der CDU/CSU (55
Prozent) befürwortet. Für eine größere Eigenständigkeit der
Nationalstaaten hingegen sprechen sich in erster Linie die Anhänger
der AfD (77 Prozent) aber auch diejenigen der FDP (52 Prozent) aus.

Russland und die NATO-Ostflanke

Dass die aktuelle Politik Russlands eine ernsthafte Bedrohung für
die zum NATO-Bündnis gehörenden baltischen Staaten (Estland, Lettland
und Litauen) und Polen darstellt, meinen 50 Prozent aller Befragten.
Keine solche Bedrohung nehmen 39 Prozent wahr. Lediglich die Anhänger
der Linke und der AfD sehen mehrheitlich keine militärische Bedrohung
durch Russland. Trotz dieser Bedrohungswahrnehmung findet eine
Mehrheit von 53 Prozent es nicht richtig, dass die NATO zum Schutz
von Polen, Estland, Lettland und Litauen ihre Truppen dort deutlich
verstärkt. Eine solche Vorgehensweise wird nur von 38 Prozent aller
Befragten unterstützt.

Terrorbedrohung

Obwohl 56 Prozent aller Befragten meinen, dass bei uns in
Deutschland zum Schutz vor Terroranschlägen genug getan wird (nicht
genug: 32 Prozent), erwarten 69 Prozent, dass es in nächster Zeit
auch in Deutschland zu Terroranschlägen kommen wird (glaube ich
nicht: 28 Prozent). Insgesamt hat gut jeder Zehnte (12 Prozent) aus
Angst vor Terroranschlägen in diesem Jahr seine Urlaubspläne
geändert, 61 Prozent haben deshalb keine Änderung vorgenommen und 26
Prozent geben an, dass sie in diesem Jahr keinen Urlaub machen.

Projektion

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die
CDU/CSU unverändert auf 34 Prozent und die SPD auf 23 Prozent (plus
1). Die Linke bliebe unverändert bei 9 Prozent und die Grünen würden
einen Punkt zulegen auf 13 Prozent. Die FDP könnte weiterhin mit 6
Prozent rechnen, die AfD verschlechterte sich auf 11 Prozent (minus
1) und die anderen Parteien zusammen erzielten 4 Prozent (minus 1).
Damit gäbe es weiterhin eine Mehrheit für CDU/CSU und SPD, von den
politisch denkbaren Dreierbündnissen würde es auch reichen für eine
Koalition aus CDU/CSU, Grüne und FDP – nicht aber für Rot-Rot-Grün.

TOP TEN

Wie zuletzt im März ist jetzt wieder Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier auf Platz eins der Liste der zehn wichtigsten
Politikerinnen und Politiker. Er erreicht einen Durchschnittswert von
2,3 (Juni II: 2,2) auf der Skala von +5 bis -5. Auf Platz zwei liegt
jetzt Winfried Kretschmann mit unveränderten 2,2. Es folgen Wolfgang
Schäuble mit unveränderten 1,9 und Angela Merkel mit deutlich
verbesserten 1,7 (Juni II: 1,3). Danach kommen mit deutlichem Abstand
und nur Unterschieden im Hundertstelbereich jeweils mit 0,8 Ursula
von der Leyen (Juni II: 0,6), Sigmar Gabriel (Juni II: 0,7), Gregor
Gysi (Juni II: 0,9) und Thomas de Maizière (Juni II: 0,7). Auf Platz
neun liegt jetzt Horst Seehofer mit 0,4 (Juni II: 0,3) vor Andrea
Nahles mit 0,3 (Juni II: 0,4).

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der
Zeit vom 4. bis 7. Juli 2016 bei 1 320 zufällig ausgewählten
Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ
für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich
beträgt bei einem Anteilswert von 40% rund +/- drei Prozentpunkte und
bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte.
Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 36 Prozent, SPD: 27 Prozent,
Linke: 8 Prozent, Grüne: 15 Prozent, FDP: 5 Prozent, AfD: 8 Prozent.
Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 22. Juli 2016.
Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen
Frageformulierungen finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de

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