ZDF-Politbarometer Juni II 2016 / Mehrheit: EU wird wegen Brexit nicht zerbrechen / Fußball-EM: Hoffnung auf Titelgewinn gestiegen (FOTO)

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Die Briten haben sich mehrheitlich gegen einen Verbleib ihres
Landes in der Europäischen Union entschieden. Die meisten Deutschen
dürften den Ausgang des Referendums bedauern, denn gut zwei Drittel
(69 Prozent) sprachen sich in dieser Woche gegen den so genannten
Brexit aus. Nur 7 Prozent sagten, sie fänden einen Austritt
Großbritanniens aus der EU gut, und 22 Prozent der Befragten war es
egal, ob das Land weiterhin Mitglied der EU ist (Rest zu 100 Prozent
hier und im Folgenden „weiß nicht“). Wenn das Vereinigte Königreich
die EU verlässt, rechnen 34 Prozent damit, dass dies Deutschland
wirtschaftlich stark schaden wird, 56 Prozent halten die
wirtschaftlichen Folgen bei uns für nicht so gravierend. 31 Prozent
gehen davon aus, dass der Brexit längerfristig zu einem
Auseinanderbrechen der EU führen wird, eine Mehrheit von 63 Prozent
befürchtet dies nicht.

Mit Blick auf die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren erwarten
nur 16 Prozent, dass sich die Mitgliedsstaaten der EU enger
zusammenschließen werden, knapp ein Drittel (32 Prozent) ist der
Meinung, es wird in diesem Zeitraum zu mehr Eigenständigkeit der
Mitgliedsstaaten kommen und für 45 Prozent wird es da keine großen
Veränderungen geben.

Das Urteil der Deutschen zur EU fällt so positiv aus wie noch nie
im Politbarometer. Erstmals glaubt eine Mehrheit von 45 Prozent, dass
uns die Mitgliedschaft eher Vorteile bringt, nur für 14 Prozent
überwiegen die Nachteile und für 38 Prozent gleichen sich Vor- und
Nachteile aus.

Sanktionen gegen Russland: Wunsch nach Lockerung nimmt zu

Diese Woche hat die EU eine Verlängerung der wirtschaftlichen
Strafmaßnahmen gegen Russland beschlossen, die wegen der
Ukraine-Krise verhängt worden waren. 40 Prozent der Befragten und
damit mehr als im Februar diesen Jahres (33 Prozent) befürworten
jetzt eine Lockerung der Sanktionen, 29 Prozent (Februar: 40 Prozent)
sind für deren Beibehaltung und 24 Prozent (Februar: 21 Prozent) für
eine Verschärfung. Vor allem die Anhänger von AfD (69 Prozent) und
Linke (57 Prozent) sprechen sich für eine Lockerung der
Strafmaßnahmen aus.

Projektion: Union und SPD legen zu

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, könnten
sich die Regierungsparteien verbessern. Die CDU/CSU käme auf 34
Prozent (plus 1) und die SPD auf 22 Prozent (plus 1). Die Linke
bliebe unverändert bei 9 Prozent und die Grünen würden einen Punkt
abgeben auf 12 Prozent (minus 1). Die FDP könnte weiterhin mit 6
Prozent (unverändert) rechnen, die AfD verschlechterte sich auf 12
Prozent (minus 1) und die anderen Parteien zusammen erzielten wie
zuletzt 5 Prozent. Damit gäbe es weiterhin nur eine Mehrheit für
CDU/CSU und SPD, von den politisch denkbaren Dreierbündnissen würde
es auch reichen für eine Koalition aus CDU/CSU, Grüne und FDP – nicht
aber für Rot-Rot-Grün.

TOP TEN: Tendenz uneinheitlich

Winfried Kretschmann liegt erneut auf Platz eins der Liste der
zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker. Er erreicht einen
Durchschnittswert von 2,2 (Juni I: 2,4) auf der Skala von +5 bis -5.
Platz zwei hält Frank-Walter Steinmeier, auch er mit einer Bewertung
von 2,2 (Juni I: 2,0) und einem Unterschied nur im
Hundertstelbereich. Danach Wolfgang Schäuble mit 1,9 (Juni I: 1,7)
und Angela Merkel mit 1,3 (Juni I: 1,5). Es folgen Gregor Gysi mit
0,9 (Juni I: 1,1), Thomas de Maizière mit 0,7 (Juni I: 0,7) und
Sigmar Gabriel, der ebenfalls auf 0,7 (Juni I: 0,5) kommt. Ursula von
der Leyen wird mit 0,6 (Juni I: 0,6) eingestuft, Andrea Nahles mit
0,4 (Juni I: 0,4) und den letzten Platz belegt weiterhin Horst
Seehofer mit 0,3 (Juni I: 0,3).

CDU und CSU: Eindruck der Zerstrittenheit hält an

Vor dem Spitzentreffen von CDU und CSU in Potsdam nehmen die
meisten Befragten (67 Prozent; Mai 2016: 63 Prozent) die beiden
Parteien weiterhin als untereinander zerstritten wahr. Nur 21 Prozent
(Mai: 27 Prozent) halten sie in wesentlichen politischen Fragen für
einig. 59 Prozent glauben, dass sich am Verhältnis von CDU und CSU in
nächster Zeit nicht viel ändern wird, 14 Prozent rechnen mit einer
Verbesserung und 17 Prozent mit einer Verschlechterung des
unionsinternen Klimas.

Fußball-EM: Titelgewinn offen – aber Hoffnung gestiegen

Nach 39 Prozent Anfang Juni sagen jetzt 45 Prozent, dass
Deutschland Fußball-Europameister wird. Fast ebenso viele (46
Prozent; Juni I: 47 Prozent) bezweifeln das, der Anteil der
Befragten, die hier unentschlossen sind (9 Prozent; Juni I: 14
Prozent), ist zurückgegangen.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der
Zeit vom 20. bis 23. Juni 2016 bei 1 224 zufällig ausgewählten
Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ
für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich
beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei
Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/- zwei
Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 38 Prozent,
SPD: 25 Prozent, Linke: 8 Prozent, Grüne: 13 Prozent, FDP: 6 Prozent,
AfD: 9 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag,
8. Juli 2016.

Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen
Frageformulierungen finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de

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Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108,
pressedesk@zdf.de

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon:
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