„Zeit“- und „Süddeutsche“-Journalisten kritisieren Versagen der Medien in VW-Affäre

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Die Investigativ-Chefs von „Zeit“ und
„Süddeutscher Zeitung“, Holger Stark und Nicolas Richter, räumen ein
Versagen investigativer Journalisten bei der Aufklärung der
Volkswagen-Abgasaffäre ein. Deutsche Reporter haben davon nur
Kenntnis bekommen, weil es Recherchen in den USA gab, sagt Stark in
einem Interview der Journalisten-Fachzeitschrift „medium magazin“
(Ausgabe 2-2017). „Wir brauchen mehr investigative Journalistinnen
und Journalisten, nicht weniger.“ Richter bezeichnet es als „bizarr“,
dass zuvor nichts aufgefallen sei. Er kündigt hartnäckige Recherchen
seines Investigativteams an: Der VW-Konzern habe lange an dem Märchen
festgehalten, dass nur ein kleiner Zirkel von Ingenieuren außer
Kontrolle geraten sei. „Wir möchten jetzt genau heraus finden, wer
wann was gewusst hat“, sagt Richter.

Beide Journalisten betonen in dem gemeinsamen Gespräch, wie
wichtig es für Journalisten heute sei, sensibel mit seinen eigenen
Daten im Internet umzugehen. „Nicht nur amerikanische, sondern auch
deutsche Dienste halten Ausschau nach Datenspuren“, sagt Stark.
„Damit steigt die Gefahr, dass Informanten auffliegen.“ Es sei wieder
üblicher geworden, sich „old school“ zu treffen, um einen USB-Stick
zu überreichen. „Dafür muss man unterwegs sein, oft sogar für ein
einziges Gespräch verreisen. Das ist anstrengend, teuer, aber
notwendig.“ Die Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes NSA
hätten auch die erste Kontaktaufnahme mit Tippgebern erschwert,
berichtet Stark: „Kontakte sagen ganz offen, dass sie bestimmte
Vorgänge lieber nicht am Telefon erörtern wollen – anders als
früher.“

Manche Gesetze für die innere Sicherheit erschweren den Schutz von
Informanten, erzählt Richter im „medium magazin“-Gespräch. „Man muss
das realistisch sehen: Der Staat hat generell kein großes Interesse
daran, dass alles enthüllt wird, was er macht.“ Und weiter: „Ich gehe
nicht davon aus, dass der Staat in nächster Zeit der große Partner
des investigativen Journalismus wird.“ In den USA unter Präsident
Trump erkennt Richter zwei Entwicklungen: Die Reizfigur Trump bringe
Menschen dazu, eine Zeitung zu abonnieren. „Die Wächterrolle der
Presse wird gerade neu entdeckt“, sagt er. Zugleich stehe der
US-Journalismus wirtschaftlich enorm unter Druck. „Es ist einfach
nicht mehr genug Personal da.“

Das Gespräch mit Holger Stark und Nicolas Richter, geführt von
Daniel Bouhs, ist Titelgeschichte von „medium magazin“ 2-2017, Seite
24-29. Es ist digital im iKiosk verfügbar und kann gedruckt einzeln
gekauft oder abonniert werden. Blick ins Heft:
http://mmbeta.de/medium-magazin-022017/

Pressekontakt:
Annette Milz, Chefredakteurin medium magazin,
redaktion@medummagazin.de, 069-95297944

Original-Content von: Medienfachverlag Oberauer GmbH, übermittelt durch news aktuell

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