Zeitungen: Trend geht Richtung seriös und Roboter

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Bei der großen und informativen Schau über
internationale Zeitungstrends, die der European Newspaper Congress im
Wiener Rathaus bietet, überraschte Mitveranstalter Norbert Küpper.
Der Zeitungsdesigner berichtete vom Trend zur Seriosität und zur
ruhigeren Gestaltung der Seiten. Neu auch: Zeitungen emanzipieren
sich von Nachrichtenagenturen, setzen selbst Themen und gehen immer
tiefer ins Lokale.

Wie das Lokale in der Praxis aussehen kann, berichtete der
Chefredakteur einer kleinen norwegischen Zeitung, „Hallingdólen“,
Bjarne Tormodsg: „Wir wollen, dass die Leserinnen und Leser ihren
Alltag in ihrer Zeitung wiederfinden.“ Die Journalisten verstünden
sich als Geschichtenschreiber, nicht als Mikrophon von Eliten. Mit
großem Aufwand betreibt „Hallingdólen“ visuelles Geschichtenerzählen
in Druck und in Videos, Irritation und Kritik nicht ausgeschlossen.

Norbert Küpper verwies auch auf den Trend, die klassischen
Zeitungsressorts wie Politik und Wirtschaft aufzulösen. Das Beispiel
brachte Pieter Klok von „de Volkskrant“, Niederlande. Dort wurden
die Ressorts verkleinert und der Zeitung ein „Frontzug“ aus einem Mix
von Berichten aus allen Bereichen vorangestellt. Die Auswahl der
Geschichten trifft eine Zentralredaktion, der die einzelnen
Redakteure und Redakteurinnen ihre Artikel „verkaufen“ müssen.

Jung und erfolgreich ist das beim Newspaper Congress präsentierte
Berliner Magazin „Freunde von Freunden“, das über kreative und urbane
Menschen in aller Welt berichtet. Ein sehr gut gemachtes Magazin,
jedoch ein reines PR-Produkt.

Das Angstwort „Roboterjournalismus“ wurde beim European Newspaper
Congress entzaubert. Dienstleister berichteten, wie sie etwa das
nutzen, was Twitter twittert und daraus Neues und Exklusives
herauslesen oder auch, was die Menschen bewegt. „Journalismus ist
viel zu komplex, dass man ihn auf Maschinen auslagern könnte“, sagte
Frederik Fischer von Tame. Gearbeitet werde an einer
Tweeds-Glaubwürdigkeits-Überprüfung. Laut Fischer ist „jede Software
ist nur ein Werkzeug“. Vom Werkzeug Datawrapper berichtete Mirko
Lorenz. Damit wird aus einer unglaublichen Menge an Daten automatisch
eine Grafik erstellt.

„Roboterjournalismus existiert bereits“, sagte Johannes Sommer,
Geschäftsführer von Retresco. Themen werden ausgewertet und
zusammengesetzt und bieten die Basis für weitere redaktionelle
Entscheidungen. Seine Zukunftsaussicht: „2015 werden wir nicht mehr
unterscheiden, ob die Sportnachricht über eine Unterliga von einer
Maschine geschrieben ist oder nicht.“

Der European Newspaper Congress, der heute, 6. Mai, zu Ende geht,
wird vom Medienfachverlag Johann Oberauer, der Stadt Wien und Norbert
Küpper, Zeitungsdesigner in Deutschland, veranstaltet.
Kooperationspartner wie Austria Tabak/JTI, OMV,
Industriellenvereinigung, WKO und der Verband Österreichischer
Zeitungsverleger unterstützen maßgeblich die Veranstaltung.

Pressekontakt:
Johann Oberauer, Tel. 0043 664 2216643, E-Mail:
Johann.oberauer@oberauer.com

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