Zum Klimagipfel: Reporter ohne Grenzen prangert tödliche Gefahren für Umweltjournalisten an

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Anlässlich des Weltklimagipfels in Paris macht
Reporter ohne Grenzen (ROG) auf die zunehmenden Gefahren für
Umweltjournalisten aufmerksam. Seit 2010 wurden nach Recherchen der
Organisation zehn Umweltjournalisten ermordet, acht davon in
Südostasien und Indien. In vielen Ländern nehmen Repressalien,
Drohungen und Gewalt gegen Reporter zu, die etwa über illegale
Rodungen, Umweltverschmutzung oder die Folgen von illegalem
Rohstoffabbau berichten. In dem Bericht „Feindseliges Klima für
Umweltjournalisten“ (http://t1p.de/bf0z) schildert ROG detailliert,
mit welchen Schwierigkeiten Umweltjournalisten weltweit zu kämpfen
haben.

„In vielen Ländern gehen Journalisten große Risiken ein, um auf
Umweltzerstörung und ihre Folgen für die betroffenen Menschen
aufmerksam zu machen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Mit
dieser mühsamen und gefährlichen Arbeit leisten sie einen
unverzichtbaren Beitrag, um mehr Bewusstsein für die Gefahren von
Ressourcenverschwendung und Klimawandel zu schaffen.“

Allein in diesem Jahr wurden zwei Umweltreporter in Indien wegen
ihrer Arbeit getötet. Jagendra Singh hatte einem Minister des
nordindischen Bundesstaats Uttar Pradesh wiederholt Korruption im
Zusammenhang mit illegalem Bergbau und Beschlagnahmen von Land
vorgeworfen. Zur Veröffentlichung seiner Beweise kam Singh nicht
mehr, weil er bei einer Polizeirazzia in seiner Wohnung am 1. Juni so
schwere Verbrennungen erlitt, dass er acht Tage später daran starb.
Sandeep Kothari hatte im benachbarten Madhya Pradesh über illegalen
Bergbau berichtet, bevor er am 19. Juni ermordet wurde. Die Täter
entführten ihn und ließen seinen verbrannten Leichnam auf einem
Bauernhof zurück.

Auch in Indonesien, Kambodscha, den Philippinen und Russland
wurden jeweils zwei Umweltjournalisten ermordet, seit ROG 2010 den
letzten Bericht über Umweltberichterstattung und Pressefreiheit
veröffentlichte (http://t1p.de/erel).

MIT DROHUNGEN, HAFT UND ZENSUR GEGEN UNERWÜNSCHTE
UMWELT-RECHERCHEN

In anderen Ländern werden Journalisten wegen ihrer Berichte über
Umweltthemen bedroht, angegriffen oder verhaftet. In Peru etwa wurden
im vergangenen Frühjahr während Protesten gegen einen geplanten
Kupfererz-Tagebau mindestens sechs Journalisten beschimpft und
verprügelt. In Usbekistan sitzt seit mehr als sieben Jahren der freie
Journalist Salijon Abdurakhmanow wegen dubioser Drogenvorwürfe hinter
Gittern. Er schrieb unter anderem über die sozialen und
gesundheitlichen Folgen der Austrocknung des Aralsees. ROG setzt sich
mit einer Protestmail-Aktion für seine bedingungslose Freilassung ein
(www.reporter-ohne-grenzen.de/abdurakhmanow/).

Manche Regierungen reagieren mit Zensur, wenn Journalisten sie für
Umweltprobleme verantwortlich machen. So hatten die chinesischen
Behörden im vergangenen Februar zunächst die Online-Veröffentlichung
eines Dokumentarfilms erlaubt, in dem die ehemalige
Fernsehmoderatorin Chai Jing Ursachen und Folgen der
Luftverschmutzung in Chinas Großstädten benannte. Nachdem der Film
innerhalb eines Wochenendes mehr als 155 Millionen Mal angeschaut
wurde und heftige Diskussionen in den sozialen Medien auslöste,
machte die Regierung jedoch eine Kehrtwende und ließ den Film von den
wichtigsten Videoportalen des Landes entfernen.

GESETZE UND AKKREDITIERUNGSREGELN VERHINDERN KRITISCHE BERICHTE

In Ecuador hindern drakonische Gesetze Journalisten daran,
kritisch über den heftig umstrittenen Plan einer Erdölförderung im
Yasuni-Nationalpark zu berichten, der als eine der artenreichsten
Regionen der Erde gilt. In Kanada erließ die Regierung so
komplizierte Akkreditierungsregeln für Wissenschaftler in
Behördendiensten, dass die Zahl der Berichte über die Klimafolgen des
umstrittenen Ölsandabbaus laut einer Studie um 80 Prozent zurückging.

Mitunter versuchen auch Unternehmen, kritische Journalisten durch
Bestechung zum Schweigen über die Umweltfolgen ihrer Projekte zu
bringen. So haben Journalisten in der Demokratischen Republik Kongo
von Bestechungsversuchen einer britischen Firma berichtet, die
mögliche Ölvorkommen unter dem Virunga-Nationalpark erkunden wollte.
Dem kanadischen Reporter Stephen Leahy bot ein Bergbauunternehmen
Geld, um seine Recherchen über die Umweltfolgen des Silberabbaus in
Mexiko zu stoppen.

Als Antwort auf solche Gefahren und Behinderungen schließen sich
immer mehr Umweltjournalisten zu Verbänden zusammen – um die Qualität
der Berichterstattung zu fördern, aber auch um für mehr Schutz bei
ihren Recherchen zu sorgen. Seit der Gründung der Society of
Environmental Journalists (SEJ) 1990 in den USA sind in etwa 20
Ländern ähnliche Verbände entstanden. Das seit 2004 bestehende Earth
Journalism Network etwa zählt mittlerweile 8000 Mitglieder vor allem
in Südostasien.

Den vollständigen ROG-Bericht „Feindseliges Klima für
Umweltjournalisten“ finden Sie (auf Englisch) unter
http://t1p.de/bf0z.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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