Digitale Barrierefreiheit noch viel zu selten – Pressemitteilung zum internationalen „Tag des weißen Stockes“ (15. Oktober)

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Blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland
müssen darum kämpfen, bei der Digitalisierung nicht abgehängt zu
werden – darauf weisen ihre Selbsthilfeorganisationen anlässlich des
internationalen „Tages des weißen Stockes“ am 15. Oktober hin. Wie
wichtig digitale Barrierefreiheit im Alltag ist, zeigt ein neuer Film
der „Woche des Sehens“.

Digitalisierung ist ein weltweiter Megatrend, der massive
Umwälzungen mit sich bringt. Unterschiedlichste Bereiche – vom
Arbeitsleben über die Medien und die Gesundheitsversorgung bis zum
privaten Haushalt – wurden und werden immer weiter digitalisiert. Für
blinde und sehbehinderte Menschen sind damit große Chancen, aber auch
viele Herausforderungen und Risiken verbunden.

Im März 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention
ratifiziert und sich damit verpflichtet, allen Menschen mit
Behinderungen eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe an
allen modernen Informations- und Kommunikationstechnologien zu
ermöglichen. Zehn Jahre später stoßen blinde und sehbehinderte
Menschen immer wieder an Grenzen – egal ob sie online etwas bestellen
oder ein Gerät mit Touchscreen-Display bedienen möchten. Dies sind
Beispiele aus einem Film und einem Radio-Interview, die von der
Aufklärungskampagne „Woche des Sehens“ produziert wurden.

„Es geht nicht an, dass es Glückssache ist, ob ich beispielsweise
auf einer Internetseite zurechtkomme oder nicht“, sagt Klaus Hahn,
der Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes.
„Barrierefreiheit muss allgemeingültiger Standard werden und dafür
brauchen wir gesetzliche Regeln, die endlich auch die
Privatwirtschaft in die Pflicht nehmen!“

Für Ursula Weber, Vorsitzende des Deutschen Vereins der Blinden
und Sehbehinderten in Studium und Beruf, ist unverständlich, warum
digitale Anbieter Barrierefreiheit nicht schon längst konsequent
umsetzen: „Ich bin doch eine potenzielle Kundin! Durch die
demografische Entwicklung wird es immer mehr Menschen mit besonderen
Anforderungen geben. Wenn man die von vornherein konzeptionell
mitdenkt, ist Barrierefreiheit weder aufwändig noch teuer.“

Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland, legt Wert
auf die Barrierefreiheit von Apps: „Apps haben das Potenzial, für
sehbehinderte und blinde Menschen erheblich mehr Unabhängigkeit und
mobile Flexibilität im Alltag, im Beruf und in der Freizeit zu
schaffen. Dafür müssen jedoch Unternehmen, die Software zum Beispiel
zur Fußgängernavigation oder Kommunikation entwickeln, konsequent für
Barrierefreiheit ihrer neuen Angebote sorgen.“

Der Film „Blinde und sehbehinderte Menschen in einer
digitalisierten Welt“ (auch als Hörfilm), ein Radio-Interview zum
Thema sowie die Forderungen der Selbsthilfeorganisationen blinder und
sehbehinderter Menschen zur Digitalisierung sind online zu finden
unter www.dbsv.org/digitalisierung

15. Oktober: Internationaler Tag des weißen Stockes

Im Jahr 1964 wurde vom US-Kongress eine Resolution in Kraft
gesetzt, die den 15. Oktober zum White Cane Safety Day (übersetzt
ungefähr: „Verkehrssicherheitstag des weißen Stockes“) erklärte. Mit
seiner umgehenden Proklamation unterstützte der damalige Präsident
der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, das Streben blinder
Menschen nach mehr Selbstständigkeit.

Der Tag des weißen Stockes entwickelte sich schnell zum weltweiten
Aktionstag der blinden Menschen. Seit dem Jahr 2002 ist der 15.
Oktober in Deutschland zugleich der Abschlusstag der Woche des
Sehens.

Nach deutschem Recht ist ein Mensch blind, wenn er auf dem besser
sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 2
Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt.
Wenn man weniger als 5 Prozent sieht, gilt man als hochgradig
sehbehindert. Auch viele hochgradig sehbehinderte Menschen sind auf
den weißen Stock angewiesen.

Die Woche des Sehens

„Nach vorne schauen“ ist das Thema der 18. Woche des Sehens, die
vom 8. bis 15. Oktober stattfindet. Schirmherrin ist die
Fernsehjournalistin Gundula Gause. Die Partner und Veranstalter der
Aufklärungskampagne machen bundesweit mit vielfältigen Aktionen auf
die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit
sowie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in
Deutschland und in den Entwicklungsländern aufmerksam.

Getragen wird die Aktionswoche von der Christoffel-Blindenmission,
dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband
der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit,
der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein
der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO
RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der
Aktion Mensch und von ZEISS.

Weitere Informationen unter https://www.woche-des-sehens.de

Pressekontakt:
Presse-Service:
Pressebilder und Pressetexte unter www.woche-des-sehens.de/presse

Pressekontakt:
Volker Lenk
Mail: v.lenk@dbsv.org
Tel.: 030 / 28 53 87-140

Original-Content von: Woche des Sehens, übermittelt durch news aktuell

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