Heilbronner Stimme: Linda Teutebergüber Botschaftsflüchtlinge und das Wendejahr 89: Das Glück der Freiheit ist nicht selbstverständlich

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30 Jahre nach der Ausreise von DDR-Flüchtlingen
mahnt FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg, Freiheit nicht als
selbstverständlich zu erachten. Am 30. September 1989 hatte
Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der
bundesdeutschen Botschaft Tausenden DDR-Bürgern den Weg in die
Freiheit eröffnet. Dazu sagte Teuteberg der “Heilbronner Stimme”
(Montag): “Die Erleichterung und die unbändige Freude über die
Freiheit, die diese Worte auslösen, berühren mich immer wieder noch
zutiefst. Dabei wünsche ich mir, dass wir heute das Glück der
Freiheit nicht so selbstverständlich nehmen.” 

Aus den Wendejahr seien mit dem Blick heute Lehren zu ziehen.
Teuteberg: “Viele Menschen suchen nach Führung und Einfachheit. Die
Schichten unserer Demokratie sind dünn, das sehen wir am Erstarken
von Parteien, die Probleme rhetorisch verschärfen und bewirtschaften.
Es ist Aufgabe der Politik, klarzumachen, was Deutschland braucht.
Aber es gibt auch ein Holschuld in der Demokratie. Wer sich von
Politik nur abwendet, der wird sehen, dass die stärker werden, die er
nicht dort sehen will.”

Auf die Frage, wofür sie die Menschen in der Prager Botschaft
bewundert, aber auch diejenigen, die in Leipzig und anderen Städten
auf die Straße gingen, sagte die 38-jährige Potsdamerin:  “Vor allem
für ihren Mut. Brücken abzubrechen, neues zu wagen. Mit hohem
persönlichem Risiko. Niemand in der Botschaft konnte damals wissen,
ob dieser Fluchtversuch nicht in der Haft enden würde. Und gerade die
Menschen, die zuhause auf die Straße gingen, gingen hohe Risiken
ein.” 

Sie fügte hinzu: “Dass diese Revolution eine friedliche bleiben
würde, konnte damals niemand wissen. Im Gegenteil, viele Menschen
hatten die Bilder vom Juni aus Peking, vom Platz des Himmlische
Friedens, vor Augen. Und die Worte von Egon Krenz im Ohr, der im
September 1989 Peking besuchte und erklärte, die SED stehe »auf der
Barrikade der sozialistischen Revolution«  dem gleichen Feind
gegenüber. Es gab die begründete Angst, dass es auch in der DDR eine
»chinesische Lösung« geben könnte. Dafür hatte die SED auch
Vorbereitungen getroffen. Was es bedeutete, gegen dieses Regime auf
die Straße zu gehen, ist für viele heute kaum zu ermessen.”

Über Genscher sagte Teuteberg: “Der Hallenser hat nie das Ziel der
Deutschen Einheit aufgegeben. Vom KSZE-Prozess in den 70er Jahren
über den hoch umstrittenen NATO-Doppelbeschluss Anfang der 80er bis
zur Perestroika Gorbatschows: Immer stand für ihn die Deutsche Frage
auf der Tagesordnung, während andere sich mit der Teilung unseres
Landes abgefunden hatten. Wenn Kohl der Kanzler der Einheit war, dann
war Genscher der Architekt der Einheit.”

Die FDP-Generalsekretärin betonte: “Der Mut und Freiheitsdrang der
Ostdeutschen war natürlich der entscheidende Treiber. Aber ohne das
Zutun von Kohl und Genscher würden wir heute immer noch in einem
geteilten Land leben. Die Skepsis gegenüber der Wiedervereinigung war
ja nicht nur bei einigen unserer Verbündeten, gerade in Frankreich
und Großbritannien, sehr groß, sondern auch bei Grünen und
Sozialdemokraten. Mit Oskar Lafontaine, der 1990 Kanzlerkandidat der
Sozialdemokraten war, und Joschka Fischer hätte es eine
Wiedervereinigung sicherlich nicht gegeben. Und das geschichtliche,
das außenpolitische Zeitfenster war kurz.”

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