KORREKTUR – Hunderte ehemaliger Kurkinder in der Bundesrepublik misshandelt und gequält “Report Mainz” am Dienstag, 10. September 2019, 21:45 Uhr im Ersten / Moderation: Fritz Frey

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Bitte beachten Sie die Korrektur: Im 4. Absatz muss
es heißen “staatliche Hilfen” und nicht “stattliche Hilfen”.

Kinder, die in den 60er bis 80er Jahren in der Bundesrepublik in
sogenannte Kinderkurheime zur Erholung verschickt wurden, sollen
teilweise gequält und misshandelt worden sein. Das zeigen Recherchen
von “Report Mainz”. Der Redaktion liegen ca. 250 Erlebnisberichte
ehemaliger Kurkinder vor. Darin berichten diese von Drohungen und
Schlägen, Erniedrigungen und Quälereien wie beispielsweise den Zwang,
das eigene Erbrochene immer wieder essen zu müssen.

Solche Misshandlungen soll es bundesweit in den
Kindererholungsheimen von der Nordsee bis nach Bayern und
Baden-Württemberg gegeben haben. Gesammelt hat diese Berichte Anja
Röhl, die eine Initiative ehemaliger “Verschickungskinder” gegründet
hat.

Erstmals reden nun gegenüber “Report Mainz” sechs Frauen über ihre
damaligen Erlebnisse: “Das war ein ganz schlimmer Albtraum für mich”,
sagt die heute in Berlin lebende Karin Kanitz. Leonie Seliger, heute
wohnhaft in Canterbury, erinnert sich: “Richtiger Sadismus ist da
abgelaufen.” Als Trauma bezeichnet Katharina Petersen-Häusler ihren
Aufenthalt in einem Kinderkurheim auf Sylt, der inzwischen mehr als
50 Jahre zurück liegt, noch heute.

Als besonders traumatisch beschreiben viele die Situation im
Speisesaal: Das Essen in den Einrichtungen wird übereinstimmend als
eklig beschrieben: “Es wurde erbrochen in den Teller rein, und die
Kinder mussten das Erbrochene mit dem restlichen Essen noch mal
essen. Haben wieder erbrochen, mussten es wieder essen, bis zum Ende.
Das eigene Erbrochene. Das ist wirklich eines der schlimmsten
Geschehnisse. Und das beschreiben fast alle”, sagt Anja Röhl. Noch
heute leiden die Frauen zum Teil massiv unter den inzwischen 50 Jahre
zurück liegenden Geschehnissen, dies wird in allen Interviews
deutlich: “Wir kamen anders zurück, als wir hingegangen sind. Wir
kamen verletzt und verwundet zurück, in unseren Seelen und auch
körperlich”, fasst Anja Röhl die Erfahrungen der Kinder von damals
zusammen. “Das ging über zehn, zwanzig bis dreißig Jahre. Das
betrifft Millionen Kinder und dieses muss aufgearbeitet werden”, sagt
Anja Röhl gegenüber “Report Mainz” und fordert “staatliche Hilfen”.
Diese sollten ähnlich organisiert sein wie der Fonds der ehemaligen
Heimkinder.

Aus Regierungsunterlagen geht hervor, dass bedürftige Kinder durch
die Kuren gestärkt werden sollten. Dabei sollte das Personal “ihnen
Lebensmut geben” und mit “einer besonderen Liebe” begegnen. 1963 gab
es 839 solcher Kinderkurheime mit Platz für bis zu 350.000 Kinder pro
Jahr. Im gleichen Jahr sind allein aus NRW über 200.000 kurbedürftige
Kinder verschickt worden.

Beteiligt an diesen Kinderverschickungen waren damals u. a.
Jugendämter, Kommunen, Krankenkassen, DRK, Arbeiterwohlfahrt,
Diakonie und Caritas. Auf Anfrage von “Report Mainz” erklären sie
übereinstimmend, dass sie von solchen Misshandlungen, von absoluten
Einzelfällen abgesehen, keinerlei Kenntnis hätten. Das
Bundesgesundheitsministerium und die Diakonie ließen die Fragen von
“Report Mainz” unbeantwortet. Die Caritas versichert, sich intensiv
an Aufklärung und Aufarbeitung beteiligen zu wollen, sofern ihre
Einrichtungen davon betroffen seien. In welchem Ausmaß es in den
vielen Kinderkurheimen zu diesen beschriebenen Misshandlungen in der
Vergangenheit gekommen ist, ist bis heute unbekannt.

Weitere Informationen finden Sie auf http://x.swr.de/s/10tn

Zitate gegen Quellenangabe “Report Mainz” frei.

Bei Rückfragen rufen Sie bitte in der Redaktion “Report Mainz” an:
06131 929-33351 oder -33352.

Original-Content von: SWR – Das Erste, übermittelt durch news aktuell

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