NOZ: DIW-Chef fordertüber Grundrente hinaus eine “größere Rentenreform”

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Fratzscher: “Menschen mit geringen Einkommen
systematisch besserstellen” – Verbesserung des Äquivalenzprinzips
gefordert

Osnabrück. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung (DIW), fordert nicht nur Lösungen im Streit
um die Grundrente, sondern eine noch “viel größere Rentenreform”.
Fratzscher sagte der “Neuen Osnabrücker Zeitung”: “Menschen mit
geringeren Einkommen sollten bei den Rentenanwartschaften durch eine
Aufwertung ihrer Einzahlungen systematisch bessergestellt werden.
Fast alle anderen Industrieländer machen das. Und das ist richtig
so.” Es könne nicht sein, dass viele Menschen in der Rente eine
negative Rendite hätten. “Sie bekommen weniger Geld heraus, als sie
über die vergangenen drei, vier Jahrzehnte eingezahlt haben.”

Fratzscher betonte, es könne nicht beim jetzigen Äquivalenzprinzip
bleiben. “In der Theorie soll in der gesetzlichen Rentenversicherung
einen Euro herausbekommen, wer einen Euro eingezahlt hat. Wir wissen
aber, dass die Lebenserwartung je nach Ausbildung, Einkommen,
sozialer Stellung und anderen Faktoren sehr unterschiedlich ist. Und
wer zehn Jahre früher stirbt, bekommt dementsprechend weniger Rente.”
Es brauche also eine grundlegende Rentenreform nicht nur für einen
Teil der Rentner, sondern für alle. Das Äquivalenzprinzip bleibe
grundsätzlich richtig, man müsse es aber verändern und besser
ausgestalten.

Der DIW-Chef bekräftigte zugleich die Kritik seines Instituts an
den bisherigen Plänen für eine Grundrente: Sie sei ein Schritt in die
richtige Richtung, es gebe aber zwei Probleme: “Einmal könnten auch
Leute profitieren, die das Geld nicht unbedingt brauchen, Stichwort
Bedürftigkeits- oder Einkommensprüfung. Das zweite große Problem ist,
dass viele Menschen gar nicht auf die geforderten 35 Beitragsjahre
kommen. Da muss die Politik Lösungen finden.”

Eine hochrangig besetzte Arbeitsgruppe von CDU und SPD war am
Freitag in den Beratungen über die Grundrente ohne eine Einigung
auseinandergegangen. Umstritten ist zwischen den Koalitionspartnern
vor allem die Frage einer Bedürftigkeitsprüfung.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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